Chemische Unkrautbekämpfung

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Die chemische Unkrautbekämpfung ist ein Verfahren im Rahmen der Bodenpflege, um unerwünschtem Bodenbewuchs in Rebanlagen zu begegnen. Obwohl die zur chemischen Unkrautbekämpfung eingesetzten Mittel (Herbizide) nicht der unmittelbaren Abwehr von Schädlingen und Krankheiten dienen, sind sie den Pflanzenschutzmitteln zugeordnet und unterliegen rechtlichen Regelungen und sind mit Anwendungsbeschränkungen und Auflagen belegt.

Gute fachliche Praxis

Im Sinne der guten fachlichen Praxis kann man Unkräuter nur gezielt bekämpfen, wenn sie aufgelaufen sind und ihr Einsatz, bis auf wenige Ausnahmen, auf die Stockstreifen- bzw. nesterweise Behandlung beschränkt ist. Die Wirkstoffe der Herbizide haben unterschiedliche Wirkungsmechanismen. Somit richtet sich die Mittelwahl nach dem vorhandenen Unkrautbestand (Unkräuter, Ungräser, Samen-, Wurzelunkräuter), dem Anwendungszeitpunkt und der Witterung. Da sich ständig Änderungen im Zulassungsstand ergeben, wird an dieser Stelle auf eine Auflistung zugelassener Herbizide verzichtet. Informationen zum aktuellen Zulassungsstand können über PS Info (Pflanzenschutzinformationssystem) abgerufen werden: Aktuelle Zulassungssituation

Bei vielen Herbiziden wird mit der Zulassung die Auflage ausgesprochen, dass das Mittel an Oberflächengewässern (Gewässerschutzauflagen) oder in Nachbarschaft zu nicht landwirtschaftlich, gärtnerisch genutzten Flächen (terrestrische Auflagen) nur mit einem verlustmindernden Gerät ausgebracht werden darf. Eine Verlustminderung ist nach derzeitigem Stand nur mit TÜV-geprüften Geräten und ausschließlicher Düsenbestückung mit Lechler Injektordüsen – IS 80-02 POM / IS 80-03 POM – zu erreichen.

Bodenherbizide (Vorauflaufmittel)

Die Wirkstoffe dieser Herbizidgruppe werden entweder über die Unkrautwurzeln oder von den keimenden Samen aufgenommen, deshalb werden vorhandene Unkräuter bis auf wenige Ausnahmen (Gräser, Pfeilkresse u. a.) nur unzureichend erfasst. Bodenherbizide sind demnach auf den weitgehend unkrautfreien Boden, spätestens beim Auflaufen der Unkräuter auszubringen. Sie haben eine gute Dauerwirkung aber keine Wirkung auf weit verzweigte und tief wurzelnde Unkräuter (Winde, Knötericharten u. a.). Häufig sind die Wirkstoffe in Kombinationspräparaten zusammen mit Kontaktherbiziden formuliert. Auf Grund ihres Wirkmechanismus als Vorauflaufmittel sind sie zur besseren Verteilung im Boden, je nach Bodenfeuchte, mit höheren Wasseraufwandmengen (bis 800 l/ha) auszubringen. Bodenherbizide haben eine hohe Persistenz im Boden und sollen deshalb 3 Jahre vor einer Neupflanzung mit Reben nicht mehr angewendet werden. Zu den Bodenherbiziden (Vorauflaufmitteln) zählen z. B. das Mittel Katana.

Blattherbizide (Nachauflaufmittel)

Die Wirkstoffe dieser Gruppe unterscheidet man nach Kontaktwirkung (Kontaktherbizide „Abbrenner“) bzw. systemischer Wirkung:

Kontaktherbizide („Abbrenner“)

Diese Herbizide wirken fast ausschließlich über die getroffenen Pflanzenteile, die bereits wenige Tage nach der Kontamination absterben. Eine gleichmäßige Benetzung ist anzustreben. Um Abtropfverluste und damit Wirkstoffverluste zu vermeiden, sollten die Wasseraufwandmengen 300 bis 600 l/ha nicht überschreiten. Wärme und Trockenheit erhöhen die Wirkung. Wurzelunkräuter werden nach einer gewissen Zeit wieder austreiben, da deren Wurzeln ungeschädigt bleiben. Unkrautsamen können sofort wieder keimen. Erfahrungsgemäß setzt 6 – 8 Wochen nach einer Anwendung von Kontaktherbiziden die Wiederbegrünung durch Unkräuter ein. Ein Herbizid aus dieser Gruppe ist z. B. Quickdown (nur an Dornfelder und Riesling gegen Stocktriebe zugelassen).

Systemisch wirkende Herbizide

Im Weinbau sind aus der Gruppe der systemisch wirkenden Herbizide nur noch wuchsstofffreie Unkrautbekämpfungsmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat in unterschiedlichen Formulierungen zugelassen. Diese Mittel besitzen eine große Breitenwirkung gegen Samen- und Wurzelunkräuter, sowohl gegen einkeimblättrige (Gräser) wie auch gegen zweikeimblättrige Unkräuter. Durch den Transport des Wirkstoffes in die Wurzeln werden auch hartnäckige Unkräuter bekämpft. Die Aufnahme des Wirkstoffs durch die Unkräuter wird bei schwülwarmer Witterung erheblich beschleunigt. Es sollte jedoch unmittelbar bis mindestens 2 Stunden nach der Applikation nicht regnen, um die Wirkstoffaufnahme nicht ungünstig zu beeinflussen. Die beste Wirkung wird mit 200 – 300 l/ha Wasseraufwand erzielt. Unkrautsamen können kurz nach der Applikation wieder keimen. Aufgrund der systemischen Wirkung ist bei Abdrift auf die Rebe mit Schäden zu rechnen.

Kombinationspräparate

Diese Gruppe von Herbiziden besteht aus einer Kombination von Boden- und Blattherbiziden. Sie zeichnen sich durch eine längere Wirkungsdauer als reine Blattherbizide aus. Derzeit ist aus dieser Gruppe kein Herbizid zugelassen.

Schäden an Reben

Um Herbizidschäden in Junganlagen zu vermeiden, dürfen Vorauflaufmittel oder Kombinationspräparate, die Vorauflaufwirkstoffe enthalten, 2 – 3 Jahre vor der Wiederanpflanzung nicht mehr eingesetzt werden.

In Junganlagen dürfen die meisten Herbizide nicht verwendet werden, damit die Gefahr von Schäden an Reben ausgeschlossen ist. Die Hersteller geben in den Gebrauchsanleitungen nähere Hinweise, ab welchem Standjahr das Mittel eingesetzt werden kann. Dabei ist das Pflanzjahr das Jahr, in dem eine Frühjahrspflanzung erfolgt ist und das 1. Standjahr das darauf folgende Jahr.

Mit Kontaktherbiziden benetzte Stocktriebe werden verätzt. Die übrigen, nicht getroffenen Triebe wie der gesamte Rebstock bleiben von Schädigungen ausgenommen. Während bei systemisch wirkenden Herbiziden der gesamte Rebstock Schadsymptome zeigen kann, auch wenn nur Stocktriebe am Stamm getroffen wurden. Die Schadstoffaufnahme durch die Reben kann verringert werden, je schneller die Stocktriebe nach einer Kontamination mit diesen Herbiziden entfernt werden.

Stocktriebe, die mit Vorauflaufmitteln benetzt werden, bleichen je nach Benetzung mehr oder weniger stark aus. Mitunter kann sich das Schadbild am gesamten Rebstock zeigen. Meistens wächst der Schaden nach einigen Wochen wieder aus.

Vorauflaufmittel und systemische Herbizide haben bei Abdrift auf Reben Einfluss auf den Fruchtansatz, wenn die Kontamination im Zeitraum vor bis zur Rebblüte erfolgt und durch warmes, regnerisches Wetter das Wachstum der Reben noch beschleunigt wird. Eine Kontamination der Reben im Spätsommer führt häufig zu einer Einlagerung des Wirkstoffs im alten Holz und dadurch zu Schadsymptomen mit dem Austrieb im Folgejahr.

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

Dr. Bernd Altmayer, Dr. Joachim Eder, Dr. Josef Eichhorn, Beate Fader, Dr. Claudia Huth, Daniela Kameke, Dr. Andreas Kortekamp, Roland Ipach, Dr. Ulrike Ipach, Hans-Peter Lipps, Siegfried Reiners, Dr. Karl-Josef Schirra, Joachim Schmidt, Dr. Christine Tisch, Dr. Ruth Walter (2020): Sachkunde im Pflanzenschutz (Weinbau). 10. überarbeitete Auflage. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Phytomedizin. Neustadt an der Weinstraße.