Weinstein

Aus Vitipendium
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Wer Weinstein in der Weinflasche vorfindet, hat nicht den Stein der Weisen, sondern nur den Stein des Weines entdeckt. Der Weinstein wird zwar generell als Weinfehler bewertet, doch kann man dem Weinstein auch positive Seiten abgewinnen. Zunächst ist der klassische Weinstein eine Verbindung bestehend aus dem wertvollen Kalium und der edlen Weinsäure. Kalium gilt als Mineralstoff von gesundheitlichem Wert, Weinsäure als Hinweis auf besonders ausgeprägte Reife. Nicht ohne Grund scheidet sich erst dann etwas aus, wenn es im reichen Maß vorhanden ist. Von der tatsächlichen Zusammensetzung kann man Kritiker, die im Flaschenwein „abgesetzte Zuckerreste" vermuten, leicht überzeugen. Wer einige Kristalle in den Mund nimmt, spürt die rechte Mischung von sauer (Weinsäure) und salzig (Kalium) auf der Zunge.

Entstehung

Bei längerer Lagerung von Flaschenwein gibt es Ansatzpunkte zur Kristallisation, z. B. am unteren Spiegel des Korkens. Bei langsamem Wachsen bilden sich große Kristalle mit meist schön ausgeprägten Kristallflächen aus, die man dann bildhaft als „Edelsteine des Weines" herausstellen kann. Solche Kristalle liegen dann als kompaktes Depot vor und stören im Allgemeinen nicht. Wer allerdings - wie in der Gastronomie häufig üblich - den Wein ins Glas hineinstürzt, wird dem Weinstein kaum Beifall zollen. Dekantieren ist dann gefragt.

Entfernen

Unter dem Oberbegriff „Weinstein" fasst man alle kristallisierten festen Ausscheidungen im Wein zusammen. Solche können in manchen Fällen „unechter" Weinstein sein. Manchmal griesig-grau oder feinkörnig wirken dagegen Calciumverbindungen mit Säuren des Weines, im Gegensatz zur Kaliumverbindung des „echten" Weinsteins. Dies ist gerade bei Botrytis-geprägten Spitzenweinen ab Auslesen bei längerer Flaschenlagerung eine unvermeidbare Erscheinung. Die Schlussfolgerung ist jedenfalls klar: Weinstein ist kein „Stein des Anstoßes".

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 515.