Weinetiketten

Aus Vitipendium
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Der Ausdruck „Visitenkarte des Weines" lässt die Zielsetzung des Weinetiketts erkennen. Das Weinetikett enthält Informationen über den Jahrgang, die Herkunft, die Rebsorte, die Qualitätsstufe, die Weinart, den Geschmack (trocken, halbtrocken), den Alkoholgehalt (% vol), die Prüfnummer und die Inhaltsstoffe.


Vorgeschriebene und freigestellte Angaben

Der Gesetzgeber unterscheidet obligatorische, d. h. verbindliche Angaben von fakultativen, d. h. möglichen Angaben. In den obligatorischen Angaben stehen an der Spitze die geographische Herkunft, d. h. der Hinweis, in welchem Gebiet innerhalb der 13 deutschen „QbA-"Gebieten die Trauben gewachsen sind. QbA- Weine müssen dort und nur dort „geboren" worden sein (Verschnittverbot). Sind engere Eingrenzungen gewählt, also Untergebiete wie „Bereich", „Großlagen" und „Einzellagen", dann ist das QbA- Gebiet (wie z. B. Pfalz) trotzdem anzugeben. Im französischen Sprachgebrauch treten an diese Stelle die AC-Gebiete. Eigentlich versteckt sich hinter diesem Begriff auch das „terroir", der Boden und das Kleinklima, und damit beginnt auch schon die Diskussion darüber, wie prägend im Einzelfall die geographische Herkunft für die Eigenart und die allgemeine Qualität eines Weines ist. Logischerweise findet man in einem großen Anbaugebiet recht unterschiedliche Klima- und Bodenstrukturen. Angaben nur zum Gebiet (z. B. Pfalz) sind dann aber nur wenig hilfreich. Oft haben nur die engsten geographischen Bezeichnungen, die Einzellagen, noch typische Elemente, die den Wein prägen können. Ihre Erkennung erfordert jedoch Insider-Kenntnisse. Unter dieser Voraussetzungen sind solche Bezeichnungen nicht nur wohlklingende „Ohrwürmer", sondern auch hilfreich, um den eigenen Weingeschmack zu befriedigen.
Die Zahl der obligatorischen Angaben auf dem Etikett beschränkt sich auf die Weinart, die Angabe des Alkoholgehaltes (% vol), dem Nenninhalt und dem Hersteller, bzw. Abfüller, nebst Angabe der Amtlichen Prüfnummer zur genaueren Identifizierung des Weines.
In der Realität wäre ein solches Etikett zu dürftig und wenig aussagekräftig. Jedenfalls wird man im Regelfall weitere Angaben fakultativ hinzufügen. Dies sind Angaben zum Jahrgang, zur Rebsorte, zur Qualitätsstufe innerhalb der sogenannten Qualitätspyramide, aber auch die sogenannten Beschaffenheitsangaben wie „trocken" und „halbtrocken".
Die Schriftgrößen sind teilweise vorgeschrieben. Gesundheitsbezogene Hinweise sind eingeschränkt und nur für den speziellen Fall der „für Diabetiker geeigneten Weine" gestattet. Sehr wohl dürfen Angaben zum Betrieb, zur Rebsorte, Empfehlungen an den Verbraucher, z. B. über Wein und Essen, angebracht und Hinweise über Prämiierungsergebnisse hinzugefügt werden. Sinnvollerweise platziert man die nicht obligatorischen Angaben auf dem Rückenetikett, um nicht mit den vorgeschriebenen Angaben in einen optischen Konflikt zu kommen.

Zusätzliche Angaben

Neu ist, dass neben diesen im Hauptetikett zu platzierenden Angaben weitere Hinweise wie z. B. auf Trinkanlässe, spezielle önologische Verfahren, wie die Kaltgärun, gestattet sind. Diese können dem Verbraucher Hilfen und Anregungen zum Genuss geben. Inwieweit dabei Grenzen gesetzt sind, muss im Einzelfall geprüft werden. Gegenüber dem früher streng gehandhabten „Verbotsprinzip" ist das „Missbrauchsgesetz" wirksam.
Naturgemäß ist es schwierig, eine Art von Rangfolge für die Bedeutung dieser oder jener Deklaration auf dem Etikett aufzustellen.
Hervorhebungen, die gestattet sind und insbesondere den bedeutenden Einfluss des Erzeugers herausstellen kann, sind Begriffe wie Erzeugerabfüllung und Gutsabfüllung. Folgerichtig zeigt Erzeugerabfüllung, dass nur erzeugereigenes Lesegut verwendet und im Erzeugerbetrieb zu Wein verarbeitet wurde. Dies trifft auch für sogenannte Erzeugergemeinschaften (z. B. Winzergenossenschaften) zu, während die Gutsabfüllung Weingütern vorbehalten ist. Inwieweit solche Hinweise zur Orientierung beitragen, sollte der Verbraucher jeweils selbst überprüfen.

Gestaltung

In jüngerer Zeit gibt es erfreuliche Initiativen bei der Gestaltung der Etiketten. Vom Künstleretikett bis zum nostalgisch gestalteten Jugendstiletikett zeigt die „Geburtsurkunde" des Weines auch etwas von der Phantasie des Erzeugers. In vielen Fällen verhindert die strenge Normierung eine völlige Entfaltung bei der Gestaltung der Etiketten. Bei Angaben über die „Geschichte des Weines" ist in der Handhabung des Weingesetzes eine zunehmende Liberalisierung bei der Interpretation zu beobachten. Dazu sollte die Weinkontrolle befragt werden.

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 508.1 - 508.3.