Weinansprache

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Dieser Artikel beinhaltet typische und wichtige Begriffe der Weinansprache.

  • Klarheit:
    • Fassweine: bauernhell, staubig, federweiß, blind
    • Flaschenweine: blank, hell, glanzhell, flackerhell (bei Kerzenlicht), funkelnd, leuchtend, brillant
  • Farbe/Farbnuancen:
    • Rotwein: licht, hellrot, rötlich, dunkelrot, rubinrot, ziegelrot, dicht, violettrot
    • Roséwein: orangefarbig, aprikosenfarbig, zwiebelfarbig, Rebhuhnauge (franz. Oil de perdrix), lachsfarben, hellrosa
    • Weißwein: gelb, grün-gelb, strohfarben, goldfarben, bernsteingelb

Bei der Beschreibung sind negativ klingende Begriffe ausgeklammert. Wohlklingend sind auch Vergleiche mit Farben der Edelsteine, wobei man erkennen muss, dass auch Edelsteine mannigfaltige Farbabweichungen zeigen können. Auch die Farben anderer Früchte eignen sich zum Vergleich. Schließlich sind die Farbstoffe der Trauben mit den Farbstoffen der Früchte und Blumen verwandt.

  • Geruch: typisches Sortenbukett, blumig, duftig, fruchtig, würzig, Rosenton, Johannisbeerton, estrig, markante „Nase", Botrytis, reicher Duft, edle Firne

Sehr wohl gilt es auch hier, die Wortwahl nach dem Zuhörerkreis auszurichten. Sie muss dabei aber immer glaubhaft wirken, und es gilt dabei, die Phantasie unter Kontrolle zu halten. Unsere romanischen Nachbarn versteigen sich fallweise dazu, jeden Wein einer eigenen „Blume" zuzuordnen, wobei Veilchen und Hyazinthen häufig sogar auf dem Etikett auftauchen. Für den phantasievollen Probenbesprecher ist dies ein unerschöpflicher Fundus.

  • Alkohol: Fälschlich wird der Alkoholgehalt als Teil des „Körpers" dargestellt. Der Körper, die „Figur", das „Profil" eines Weines hängt jedoch überwiegend vom Extraktgehalt ab. Alkohol kann die geruchlichen und geschmacklichen Effekte der Extraktbestandteile allerdings verstärken und verdient deshalb Beachtung. Die geschmacklichen Qualitäten des Alkohols beschreibt man etwa wie folgt: leicht, elegant, harmonisch, kräftig, wuchtig, füllig, voluminös, warm, feurig.

Man sieht den genannten Begriffen an, dass es keine eigentlich spezifischen Begriffe sind und erst mit dem Ausdruck „Alkohol" kombiniert einen Sinn geben.
Rein äußerlich lässt sich ein hoher Alkoholgehalt auch an der Ausbildung von „Kirchenfenstern" im mittleren Bereich des Weinglases erkennen, die durch die Kondensation des flüchtigen Alkohols im sich schließenden Kelch zustande kommen. Nur bei einem fachgerechten Weinglas beobachtet man diesen interessanten Effekt.

  • Entwicklung (Alter, Reife): jung, lebendig, ausgeglichen, charaktervoll, optimal entwi-ckelt, edle Reife.

Aus den genannten Begriffen entnimmt man einerseits unser Unvermögen die Reifung (Alterung) eines Weines objektiv festzulegen, andererseits kann man auch hier leicht eine gewisse Vermenschlichung anwenden und in Bildern sprechen. Jahrgänge entwickeln sich unterschiedlich, eine zu hohe Säure wird geschmacklich abgebaut und botrytisbeladene Weine altern nicht, da sie bereits als Trauben am Stock gealtert sind. Eine Rolle spielen die Lagerbedingungen.

  • Körper: schlank, asketisch, klein, schwer, wuchtig, fett, nachhaltig.

Hier wird gerne der Vergleich mit der menschlichen Figur benutzt, wie überhaupt menschliche Eigenschaften. Rotweine mit viel Körper sind samtig (deutlicher, aber ausgeglichener Gerbstoffgehalt) oder schmalzig (weich, viel Glycerin).

  • Nachgeschmack: Die Wissenschaft hat wohl einige Substanzen entdeckt, die mit der Reifung gekoppelt erscheinen. Leider kennt man deren Bedeutung für den Geschmack nur unvollkommen. Der Nachgeschmack wird häufig auch als Abgang bezeichnet. Hier kommt es nicht nur auf den Eindruck, sondern auf die Nachhaltigkeit des Eindruckes an. Ein französischer Wissenschaftler prägte den Ausdruck der „persistance" und verfolgt das Echo des Weines gewissermaßen mit der Stoppuhr im Sekundenmaß. Begriffe wie „langer Abgang" oder „mächtiger Nachklang" sollen diese Impressionen verdeutlichen.
  • Rebsorte und Weinart: artig, sortentypisch, rund = Rubensfigur (z. B. typischer Ruländer), wobei das Aroma zusätzlich mit einbezogen wird (Rosenton bei Weinen der Rebsorte Ehrenfelser)
  • Säure: weich, mild, zart, pikant, rassig, stahlig. Auch hier wieder sind Ausschmückungen möglich, wie: elegante Säure, nachhaltige Säure, nervige Säure, etc.
  • Süße: trocken, halbtrocken, lieblich, süß (Honigsüße), Edelsüße, rosinenartig.

Naturgemäß kann man die Begriffe durch Adjektive auflockern: feine Süße, geschmeidige Süße, dienende Süße etc.

  • Sonstige Kriterien: Auffällige Erscheinungen können auf hohe Kohlensäure-Gehalte zurückgeführt werden. Der Wein bildet Kohlensäure-Bläschen beim Einschenken oder er moussiert deutlich. In solchen Fällen können Begriffe wie „lebendig", „anregend", „spritzig", „prickelnd" etc. in die Weinansprache einbezogen werden. Wichtig ist es, den Zuhörern die Ursache für solche merkbaren Kohlensäure-Gehalte verständlich zu machen (kalter Weinkeller, frühe Abfüllung, etc.) und die natürliche Herkunft (Gärungskohlensäure) hervorzuheben. Dabei wird die vom Weingesetz fixierte Obergrenze von 2 g/l sicher nie erreicht.

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 806,1 - 806,3.
  • Jakob, Ludwig (1973): Weinbewertung und Weinansprache. Meininger. Neustadt/Weinstraße. 
  • Kurz, Friedrich (1988): Ratgeber für die Weinbeschreibung. GEWA-Druck. Bingen. 
  • Peynaud, Emile (1984): Die Hohe Schule für Weinkenner. Albert Müller Verlag. Wien. ISBN 3-275-00852-8
  • Schumann u. a. (1977): Wein - Erzeugung - Vermarktung - Probe. Forschung - Schule - Praxis. Neustadt/Weinstraße. 
  • Schuster, Michael (1990): Der Weinkenner. Eine praktische Wein- und Degustationskunde.. Hallwag Verlag. Stuttgart. ISBN 3-444-10371-9
  • Spurrier, Dovaz (1990): Große Weinkunde. Albert Müller Verlag. Stuttgart. ISBN 3-275-00994-x
  • Walter, Heinz und Kurt (1989): Leitfaden für eine erfolgreiche Weinprobe. GEWA-Druck. Bingen. 
  • Walter, Wengenmayr, Giesswinkel, Röder (1989): Ratgeber für die Weinbeschreibung. GEWA-Druck. Bingen. 
  • Weisensee, Bernhard (1984): Mit dem Wein auf Du und Du. Weinbeurteilung, Weinansprache, Weinsprache, Fachausdrücke. Echter Verlag. Würzburg. ISBN 3-429-00914-6