Wein und Musik

Aus Vitipendium
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Wein ist bekanntlich ein Produkt, welches auf fast alle Sinne einwirkt. Der Tastsinn und der Gehörsinn sind davon allerdings ausgenommen. Dafür ist Musik geeignet, die Ohren zu verwöhnen.

Eindruck

Grundsätzlich kann man das Prinzip der Tonbildung mit der geschmacklichen Entwicklung eines Weines auf der Zunge vergleichen. Am Anfang schwingt der Eindruck ein, er ist noch nicht präzise - dann bleibt der Eindruck über Sekunden lang konstant - dann klingt der Eindruck und auch die Intensität ab - bis er schließlich verschwindet. Diese recht theoretisch klingenden Bemerkungen sollte der Probesprecher benutzen, um deutlich zu machen, dass man Wein nicht vorschnell beurteilen sollte, sondern sich Zeit lassen muss, bis der Weineindruck auf der Zunge vollständig abgeklungen ist.

Vergleiche

So wie es leichte und schwere Musik gibt, so sind auch die Weintypen zu unterscheiden. Schwere Musik ist „dicht", baut auf, leichte Musik setzt perlende Kadenzen ohne große Nachhaltigkeit. Die Nachhaltigkeit eines Weines äußert sich u. a. darin, dass man sich „schluckzesive", d. h. erst beim mehrmaligen "Ziehen" am Schoppen auf den Charakter des Weines einstellt. Weine zum Zechen sollten deshalb nicht zu auffällig sein, da man sich ansonsten so schnell satttrinkt. Interessant kann es sein, falls man beim entsprechenden Publikum auch Wein mit Musik verbindet, dass sich ein Ruländer zur Barockmusik von Bach gut arrangiert, immerhin war Herr Ruland Zeitgenosse von Bach und die üppige volle Art des Ruländers ist Barock in reinster Kultur. Wer eher an Mozart denkt, müsste den Vergleich schon eher mit einem duftigen Kerner oder einem eleganten Riesling anstreben. Leider gibt es nur wenige gute Beispiele, die geeignet sind, die entsprechende Harmonie zwischen Weingenuss und musikalischem Genuss herzustellen.
Wer nur Weinseligkeit erzeugen und demonstrieren will, der ist mit „Ohrwürmern" oder Schunkelliedern besser bedient. Als Füllsel können auch Pfälzer Lieder dargeboten werden, doch sollte der Probesprecher daran denken, dass ihm die Probebesprechung dabei nicht entgleitet.

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 808.