Unterlagensorte 125AA

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Die in Deutschland verbreiteten Unterlagensorten entstammen zum weitaus überwiegenden Teil der Kreuzung Vitis berlandieri x Vitis riparia. Dabei werden Unterlagensorten mit mittlerer bis hoher Triebkraft bevorzugt angebaut. Die Unterlagensorte 125AA ist deshalb im deutschen Weinbau weit verbreitet. Dipl. Ing. Matthias Zink und Dr. Joachim Eder vom DLR Rheinpfalz stellen Versuchsergebnisse zu den neuen Unterlagenklonen 125AA N501 und N502 bei der Pflanzguterzeugung und im Ertragsweinberg vor.

Abstammung der neuen Klone

Die Klone 125AA N501 und 125AA N502 entstammen aus Sämlingsfamilien der Kreuzung Vitis berlandieri x Vitis riparia, die zunächst von Sigmund Teleki in Villány / Ungarn selektioniert und später von Franz Kober in Wien / Österreich weiter bearbeitet wurden. Die Sämlinge wurden in Rhodt / Pfalz und später in Neustadt / Wstr. und Billigheim / Pfalz aufgepflanzt und geprüft. Die neuen Klone wurden am 02.02.2006 beim Bundessortenamt eingetragen. Erhaltungszüchter ist das Land Rheinland – Pfalz, vertreten durch das DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück. Die Klone werden von der Abteilung Phytomedizin am DLR-Rheinpfalz in Neustadt/Wstr. bearbeitet.

Die neuen Klone der Unterlage 125AA in der Rebenpflanzguterzeugung

Eigenschaften bei der Vermehrung im Muttergarten

Die Unterlagensorte zeigt abhängig von der Bodenart ein starkes bis sehr starkes Wachstum im Muttergarten. Sowohl bei der Greiner – Deckerschen Erziehungsform als auch bei der Tischerziehung sind in Deutschland Holzerträge von 100 Unterlagenlängen je Stock möglich. Es sollten nicht mehr als zehn bis maximal zwölf Triebe pro Stock angezogen werden. In Böden mit sandigem Untergrund sind weniger als zehn Triebe pro Stock anzustreben, um eine ausreichende Triebstärke von zirka acht Millimeter zu erreichen.

Eigenschaften bei der Veredlung

Wie bei den Unterlagen SO4 und Binova wird die Kallusbildung und die Verwachsung auch bei Veredlungen mit der Sorte 125AA gefördert, wenn rotes Paraffin mit Wuchsstoffzusätzen bei der Braunparaffinierung verwendet wird. Ein Beimischen von neutralem Paraffin zum roten Paraffin verlängert die erforderliche Vortreibzeit bei gleicher Vortreibtemperatur, die zwischen 28°C und 30°C liegen sollte.

Prüfung der Veredlungsaffinität beim Vortreiben und in der Rebschule

Die Verträglichkeit zwischen dem Edelreis und der Unterlage beeinflusst entscheidend die Verwachsung der Pfropfpartner in der Rebschule und bestimmt somit den wirtschaftlichen Erfolg des Rebveredlers. Die Verträglichkeit der Pfropfpartner erweist sich dann allerdings auch im Weinberg. Nur bei hoher Affinität kann die Pfropfrebe im Weinberg zu einem für eine lange Standzeit leistungsfähigen Rebstock heranwachsen.

Abb. 1: Affinität der Unterlagenklone 125 AA N501 und 125 AA N502 und weiterer Unterlagen bei Veredlungen mit Spätburgunder und Cabernet Mitos

Abbildung 1 zeigt beispielhaft die Anwuchsraten von Veredlungen mit den neuen Unterlagenklonen 125AA und weiteren Unterlagen in Kombination mit den Edelreissorten Spätburgunder und Cabernet Mitos. Zur Kennzeichnung der Affinität wurde sowohl der Ausfall von Veredlungen beim Vortreiben als auch der Anwuchs der Reben in der Rebschule erfasst. Nur Reben mit einer ausreichend festen Verwachsung der Pfropfpartner und einer umseitigen Bewurzelung der Unterlage werden als verkaufsfähige Reben eingestuft.

Bei der Veredlung mit der Sorte Spätburgunder fielen bei allen verwendeten Unterlagen nur sehr wenige Reben beim Vortreiben aus. Dagegen wurden bei der Pfropfkombination mit Cabernet Mitos bis zu 15 Prozent Ausfälle festgestellt. Die erhöhten Ausfälle waren durch eine eingeschränkte Qualität des Edelreismaterials und einen verringerten Austrieb verursacht. Ein Unterlagenspezifisches Affinitätsproblem wurde nicht festgestellt.

Bei allen Pfropfkombinationen lagen die Anwuchsraten über 70 Prozent und sind deshalb als gut bis sehr gut zu beurteilen. Die neuen Unterlagenklone variierten zwischen 71,5 Prozent Anwuchs bei der Kombination Spätburgunder mit 125AA N502 und 86,5 Prozent bei der Kombination Cabernet Mitos mit 125AA N501.

Prüfung der Adaption an verschiedenen Standorten

Wachstum und Kalkverträglichkeit

Im Weinberg sind Veredlungen mit der Unterlage 125AA als wuchskräftig einzuordnen, wobei die Wüchsigkeit zwischen der mittelstark wachsenden Unterlage SO4 und der stark wachsenden Unterlage 5BB liegt. Daher ist sie geeignet für Rebanlagen mit größeren Standräumen, also bei größeren Pflanzabständen oder großen Gassenbreiten wie zum Beispiel klassischen Minimalschnittanlagen. Auf Kalkmergelböden zeigt die Unterlage 125AA eine gute Kalkverträglichkeit und kann auch auf schweren Böden, die zur Staunässe neigen, erfolgreich angebaut werden.

In einigen Beratungsfällen zeigten mit der Unterlage 125AA veredelte Pfropfreben nur ein schwaches Triebwachstum im Jahr der Anpflanzung. Im Folgejahr, also im zweiten Standjahr, war dann ein normales bis kräftiges Triebwachstum zu beobachten. Dies weist auf eine im Vergleich zu anderen Unterlagen erhöhte Sensibilität der Wurzelbildung bei der Unterlage 125AA im Jungfeld hin. Ein ähnliches Verhalten zeigte die Unterlage in Rebschulen, wo die Rebenmüdigkeit früher auftrat als bei anderen Unterlagen.

Adaptionsversuche und Ergebnisse

Abb. 2: Adaption, Dunkelfelder N100 gepfropft auf verschiedene 125 AA-Klone, Standort Pfalz Ellerstadt, Bodenart sandiger Lehm, Ergebnisse von 1992 bis 1995

Zur Prüfung der Leistungseigenschaften der neuen 125AA Unterlagenklone wurden in Zusammenarbeit mit der Praxis mehrere Adaptionsanlagen an unterschiedlichen Standorten in den Rheinland-Pfälzischen Anbaugebieten erstellt. Es sollen hier exemplarisch einige Ergebnisse verschiedener Pfropfkombinationen dargestellt werden. Neben den üblichen Auswertungen von Ertrag, Mostgewicht und Mostsäure wurde die Wuchskraft bonitiert. Dazu wurde die Wuchsstärke der Laubwand optisch erfasst und in neun Stufen eingeteilt. Sehr schwaches Wachstum wurde der Boniturstufe eins zugeordnet; für sehr starkes Wachstum mit ausgeprägter Geiztriebbildung wurde die Boniturstufe neun verwendet.

In der Abbildung 2 sind Versuchsergebnisse aus einer Adaptionsanlage mit der Rebsorte Dunkelfelder aus dem Pflanzjahr 1989 in Ellerstadt/Pfalz dargestellt. Dabei wurden fünf verschiedene Klone der Unterlage 125AA sowie die Unterlagen 5BB und 5C auf einem sandig lehmigen Boden getestet. Auf diesem eher leichten Boden war die Wuchsstärke der Anlage insgesamt nur mäßig und variierte mit Boniturwerten von 6,0 bis 6,5 zwischen den Varianten nur wenig. Die Ertragsleistung lag zwischen etwa 120 kg/ar und 140 kg/ar, wobei die 125AA Klone N501 und 3 Gm sowie die Unterlage 5C eine etwas geringere Ertragsleistung erbrachten. Bei 125AA Klon 502 und den beiden anderen getesteten 125AA Klonen sowie der Unterlage 5BB lag der Ertrag am oberen Ende dieser Spanne. Beim Mostgewicht und bei der Mostsäure wurden nur geringe Schwankungen festgestellt, wobei das Mostgewicht von der Höhe des Ertrages beeinflusst wurde.

Abb. 3:Adaption, Cabernet Dorsa We750 gepfropft auf verschiedene Unterlagen, Standort Pfalz Godramstein, Bodenart Lehm, Ergebnisse von 2005 bis 2012, Dichtpflanzung

Abbildung 3 zeigt Versuchsergebnisse aus einer Cabernet Dorsa Anlage in Godramstein / Pfalz, wo der Unterlagenklon 125AA N501 im Vergleich zu fünf weiteren Unterlagen geprüft wurde. Der Weinberg wurde im Jahr 2003 auf einem lehmigen Boden mit einem Stockabstand von 0,50m und einer Gassenbreite von 2,05m als Dichtpflanzung angelegt. Beim Mostgewicht und der Mostsäure gab es nur geringe Unterschiede zwischen den Versuchsvarianten. In dieser Dichtpflanzung lagen die Traubenerträge mit 150 kg/ar bis 170 kg/ar auf hohem Niveau.

Auffälligerweise wurde das Wachstum der allgemein als wuchsstärker beschriebenen Unterlagen 5BB 11Opp. (Boniturwert 7,0) und 125AA N501 (Boniturwert 7,5) niedriger bewertet als das Wachstum der Unterlagen SO4 N203 und Binova 1Opp. sowie die Reblaus resistenten Unterlagen Cina N401 und Rici N301 (Boniturwerte 7,6 bis 8,2), denen eine durchschnittliche Wuchsstärke zugeordnet wird. Auch bei den Erträgen zeigte sich diese Gruppierung: die Varianten 5BB und 125AA erbrachten mit etwa 150 kg/ar geringere Erträge als die Varianten Binova, Cina, Rici und SO4.

Das vergleichsweise starke Wachstum der Unterlagen Binova, Cina, Rici und SO4 steht vermutlich mit der bei einer Dichtpflanzung reduzierten Einzelstockbelastung im Zusammenhang. Dagegen entwickelten sich die wuchsfreudigen Unterlagen weniger stark als in Anlagen mit „normalen“ Stockabständen von mehr als 1,00m.

Das veränderte Wachstumsverhalten könnte durch die erhöhte Wurzeldichte des geringeren Stockabstandes verursacht sein. Eventuell wird das Wurzelwachstum bei den normalerweise stark wachsenden Unterlagen 5BB und 125AA mehr als bei den mittelstark und schwach wachsenden Unterlagen SO4, Binova, Rici und Cina beeinflusst. Mit dem kürzeren Fruchtholz werden proportional mehr basale Augen angeschnitten, die eine geringere Fruchtbarkeit haben. Dies könnte die geringere Ertragsleistung der wüchsigeren Unterlagensorten erklären.

Abb. 4: Adaption, Riesling Bks 68 gepfropft auf verschiedene Unterlagen, Standort Mosel Brauneberg (Juffer), Bodenart Schieferverwitterung, Ergebnisse von 2005 bis 2012

Auf einem Schieferverwitterungsboden in der Lage Brauneberger Juffer an der Mosel wurden sieben Unterlagen, veredelt mit Riesling Bks 68, getestet (Abbildung 4). Es handelt sich um einen Steilhang, der im Jahr 2002 bepflanzt wurde. Die gute Adaption der Unterlage 125AA Klon N501 zeigte sich an dem im Vergleich zu den anderen Unterlagen stärksten Laubwachstum (Boniturwert 7,9). Bei etwas niedrigerem Ertrag war das Mostgewicht erhöht. Die schwächer wüchsigen Reblaus resistenten Unterlagensorten Cina (Boniturwert 6,6) und Rici (Boniturwert 6,1) lagen im Ertrag höher als die Unterlagen SO4 N204, 125AA N501 und Binova 1 Opp., bei entsprechend niedrigerem Mostgewicht.

Abb. 5: Adaption, Riesling N90 gepfropft auf verschiedene Unterlagen, Standort Pfalz Bad Dürkheim / Ungstein, Bodenart sandiger Lehm, Ergebnisse von 2003 bis 2010

Die Versuchsanlage mit der Sorte Riesling in Bad Dürkheim / Ungstein (Abbildung 5) wurde im Jahr 2001 auf einem sandigen Lehmboden gepflanzt, der zur Trockenheit neigt. An diesem Standort wurde die Unterlage 125AA Klon 502 mit fünf anderen Unterlagen geprüft. Die stärkste Wuchskraft zeigten die Unterlagen 5BB, 125AA Klon 502 und Börner; bei den Unterlagen SO4 und Cina wurde durchschnittliche Wuchskraft bonitiert. Dagegen zeigte die Unterlage Rici auf diesem zur Trockenheit neigenden Standort schwächeres Wachstum.

Die Unterlagen mit mittlerem und stärkerem Wachstum erbrachten sowohl die höheren Traubenerträge als auch die höheren Mostgewichte. Dies bestätigt die allgemeine Beratungsempfehlung, auf leichten Böden Unterlagen mit stärkerem Wachstum zu bevorzugen. Bei Unterlagen mit schwächerem Wachstum wie zum Beispiel Rici muss der Ertrag reduziert werden, um eine Überlastung zu verhindern. Die Werte der Mostsäure unterschieden sich kaum und waren nur bei der Unterlage SO4 tendenziell höher.

Abb. 6: Adaption, Cabernet Mitos We 650 gepfropft auf verschiedene Unterlagen, Standort Rheinhessen Dalsheim (Hubacker), Bodenart kalkhaltiger Lehm; Ergebnisse von 2004 bis 2008

In der Adaptionsanlage Dalsheimer Hubacker in Rheinhessen wurden vier Unterlagensorten mit der Rebsorte Cabernet Mitos Klon We 650 getestet (Abbildung 6). Die Anlage wurde im Jahr 2002 auf einem kalkhaltigen Lehm angepflanzt. Sowohl die Wuchsstärke der Laubwand als auch die Mostgewichte waren bei den vier Versuchsvarianten nur wenig unterschiedlich. Die Erträge bewegten sich Sortenbedingt auf moderatem Niveau zwischen 90 kg/ar und 110 kg/ar. Die bei gleichem Mostgewicht leicht erhöhten Erträge bei den Unterlagen SO4 N202 und 125AA Klon 502 deuten auf eine bessere Ertragsaffinität dieser Unterlagen zur Edelreissorte Cabernet Mitos hin. Auch bei der Mostsäure wurden für SO4 und 125AA höhere Werte analysiert.

Zusammenfassung

Mit den neuen Unterlagenklonen 125AA N501 und 125AA N502 wird die Bandbreite der hauptsächlich im deutschen Weinbau etablierten Unterlage 125 AA erweitert. Versuche zur Affinität dieser Klone erbrachten hohe Anwuchsprozente bei der Rebenpflanzguterzeugung. In Anbauversuchen auf mehreren Standorten mit unterschiedlichen Gegebenheiten und verschiedenen Edelreissorten wurde die große Adaptionsbreite der Unterlage 125 AA und der neuen Klone nachgewiesen. Veredlungen mit dieser Unterlagensorte zeigten auf zwei leichten, zur Trockenheit neigenden Böden, auf einem Schieferboden, sowie einem tiefgründigen wüchsigen Boden und einem kalkhaltigen Boden eine hohe Wuchskraft. In den Versuchsanlagen konnten bei Verwendung der Unterlagenklone N501 und N502 nachhaltig wirtschaftliche Erträge bei hohem Mostgewicht erzielt werden.

Siehe auch

  • siehe Kober 125 AA auf Wikipedia[1]

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Zink, M. & J. Eder (2013): Unterlagensorte 125AA. Abteilung Phytomedizin (Gruppe Weinbau), Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße.