Blauer Trollinger

Aus Vitipendium
(Weitergeleitet von Trollinger)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Trollinger

Die Sorte Blauer Trollinger stammt aus einer alten Rebenfamilie mit zahlreichen Formen, die vermutlich im Mittelmeerraum beheimatet ist. Ihr Name deutet auf Tirol hin, wo sie sich bereits sehr früh verbreitet hat.

Als Synonyme sind beispielsweise die Namen "Großer Vernatsch" (Südtirol), "Fleischtraube", "Hammelshoden" und "Malvasier" bekannt.

Geschichte

Früh verbreitete sich die Sorte in Südtirol. Von dort ist sie im 17. Jahrhundert nach Württemberg gelangt und war ungeliebter Bestandteil des Gemischten Satzes. Sie wurde von den Bischöfen von Speyer, den Kurfürsten von der Pfalz und den Grafen von Leiningen als Hammelshoden für den Anbau verboten. Südlich von Neustadt blieb sie bis in die Gegenwart als Malvasier erhalten.

Ampelographie

Für diese Sorte werden folgende Mekmale angegeben [1]:

  • Triebspitze grün bis kupferfarben,
  • Blatt groß, dunkelgrün, blasig, schwach drei- bis fünflappig,
  • Blattrand ungleich gezähnt,
  • Traube sehr groß, rund,
  • Beeren rotblau, dickschalig, Beerengeschmack: saftig, süß-säuerlich

Standortansprüche

  • Die Sorte stellt nur geringe Ansprüche an den Boden und ist gut kalkverträglich.
  • Sie ist ertragssicher, starkwüchsig und hat eine frühe Reife.
  • Als negativ sind ihre Winterfrostempfindlichkeit, die späte Holzreife und die großen Ertragsschwankungen zu bewerten.

Ertrag und Wein

Ertrag:

  • hoch bis sehr hoch

Wein:

  • Der Wein ist hellrot, herzhaft, frisch, wenig säurebetont und extraktreich. Die Sorte bringt auch Weißherbste hervor.
  • Der Wein wird meist als Schoppenwein oder zu Vorspeisen, Terrinen, leichten Fleischspeisen und Käse getrunken. Die Sorte wird häufig für Verschnitte verwendet.

Anbau

In Mitteleuropa wird die Sorte vor allem in Südtirol und Württemberg angebaut. In Deutschland zählt der Blaue Trollinger mit einem Anteil von 6 % aller mit Rotweinsorten bestockten Rebflächen zu den fünf wichtigsten Rotweinsorten.[2]

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Flächen:

Anbaugebiet Fläche [ha] Anteil [%]
Deutschland[3] 2.280 keine Angaben
Baden-Württemberg[3] 2.269 keine Angaben
Württemberg[4]
2.245 19,6
Baden[3]
24 keine Angaben
Rheinland-Pfalz[5] 10 <1
Rheinhessen[3]
8 keine Angaben
Pfalz[3]
2 keine Angaben

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (1998): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten (siehe Seite 259), ISBN 3-8001-5719-5.
  2. Statistisches Bundesamt (2015): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Statistisches Bundesamt (2016): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  4. Deutscher Weinbauverband (2016): 19. Sonderbericht 2016 - Bestockte Rebflächen 2015
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2016): Statistische Berichte - Bestockte Rebflächen 2015. Bad Ems, C I - j/15, Kennziffer: C1073 201500, ISSN: 1430-5070.

Literatur

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 471.
  • Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (2011): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten, ISBN 3-8001-5719-5.
  • Clarke, O. (1992): Weine aus aller Welt. Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart: 260 Seiten, ISBN 3-275-01040-9.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1998): Taschenbuch der Rebsorten. 11. Auflage, Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 454 Seiten, ISBN 3-921156-27-0.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1995): Traube und Wein. Deutschlands Rebsorten und Weine. Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 139 Seiten, ISBN 3-921156-04-1.
  • Johnson, H. & S. Pigott (2000): Atlas der deutschen Weine. Lagen, Produzenten, Weinstraßen. 5. vollständig überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage, Hallwag Verlag, Ostfildern: 232 Seiten, ISBN 3-444-10445-6.
  • Ferdinand Regner: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2008, LFZ Klosterneuburg
  • Robinson, J. (1996): Reben - Trauben - Weine. Ein Führer durch die Rebsorten der Welt. Hallwag Verlag, Stuttgart: 280 Seiten, ISBN 4-444-10497-9.