Trester und andere Kellereiabfälle zur Rebendüngung

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Traubentrester und die anderen Kellereiabfälle weisen gegenüber anderen Humusdüngern nur sehr geringe Schadstoffgehalte auf. Mit ihrer konsequenten weinbaulichen Verwertung kann ein Großteil der mit den Trauben abgeführten Nährstoffe wieder in den Weinberg zurückgeführt werden.

Mengenangaben für die Ausbringung

Ihr Einsatz zur Rebendüngung setzt voraus, dass sich die Bemessung am Stickstoff- und teilweise auch am Phosphat- und Kaligehalt orientiert. In diesem Zusammenhang muss aber auch die Freisetzungsgeschwindigkeit der Nährstoffe berücksichtigt werden. Während bei Trester und noch mehr bei Tresterkompost mit einer langsameren Abbaurate zu rechnen ist (Verfügbarkeit 40 bis 50 % des Gesamt-N in 3 Jahren), muss bei Trub und Hefe von einer raschen Mineralisation ausgegangen werden (Verfügbarkeit 75 % des Gesamt-N im 1. Jahr). So kann Trester in Dreijahresgaben mit 200 bis 300 kg Stickstoff/ha ausgebracht werden. Trub und Hefe sind dagegen nur als Einjahresgaben mit 40 bis max. 80 kg N/ha zu bemessen.

Empfehlung bei der landbaulichen Verwertung von Kellereiabfällen
Frische Traubentrester 40 bis 80 m3/ha = 20 bis 40 t/ha für 3 Jahre
Tresterkompost 20 bis 30 m3/ha = 15 bis 25 t/ha für 3 Jahre
Mosttrub 8 bis 15 m3/ha = 8 bis 15 t/ha für 1 Jahr
Flüssige Weinhefe (20 % TM) 5 bis 10 m3/ha = 5 bis 10 t/ha für 1 Jahr
Filtrierte Weinhefe (40 % TM) 3,5 bis 7 m3/ha = 2,5 bis 5 t/ha für 1 Jahr

Mitgelieferte Inhaltsstoffe bei der Düngung beachten

Mit der Höchstgabe von 80 m3/ha Trester (= 40 t/ha) werden 104 kg P2O5 und 400 kg K2O ausgebracht. Damit wird der Phosphat- und Kalibedarf eines Weinbergs für 5 bis 6 Jahre gedeckt. Auch das Bor reicht für 4 bis 6 Jahre (0,5 kg B). Der Düngebedarf an Magnesium wird mit 32 kg MgO dagegen nur für ein gutes Jahr gedeckt.

Bei der Ausbringung dieser Höchstmenge sollte in normal versorgten Böden (Versorgungsstufe C) die Stickstoffdüngung erst nach 3 - 4 Jahren wieder aufgenommen werden. Zur Optimierung der N-Versorgung kann der Stickstoffstatus zur Zeit der Rebblüte mittels eines Nitratschnelltestes der Blattstiele oder einer Blattanalyse im Labor geprüft werden. Phosphat-, kali- und borhaltige Dünger sind erst im 7. Jahr wieder erforderlich. Dagegen ist bereits im 2. bis 3. Jahr wieder eine Magnesiumdüngung erforderlich.

Wasser- und Umweltschutz

Um die N-Mineralisation und damit die Auswaschungsgefahr nicht allzu sehr zu fördern, sollte zwischen der Trester- bzw. Hefeausbringung und der Kalkung mindestens ein Jahr liegen. Aus dem gleichen Grund sollten frisch gedüngte Weinberge nicht zu häufig und intensiv bearbeitet werden. Überall dort, wo keine Dauerbegrünung besteht, ist in den folgenden Winterhalbjahren eine Gründüngung mit N-zehrenden Pflanzen einzusäen. Um oberflächigen Eintrag von flüssiger Hefe und Trub in den Erfassungsbereich von Wassergewinnungsanlagen zu vermeiden, sollten diese nicht in der Nähe der Brunnen (Zone II von Wasserschutzgebieten) ausgebracht werden. Wie alle Humusdünger dürfen Trester nur kurzfristig am Weinbergsrand zwischengelagert werden. Ihre Ausbringung im Weinberg muss unverzüglich erfolgen. Muss für die Zwischenlagerung der öffentliche Wegebereich in Anspruch genommen werden, empfiehlt sich die Absprache mit dem zuständigen Ordnungsamt bei der Verbandsgemeinde- oder Stadtverwaltung. Auf keinen Fall darf eine Zwischenlagerung auf Biotopflächen erfolgen. Auch der Randbereich von Gewässern ist strikt zu meiden.

Ausbringung und Kompostierung

Bei Ausbringung frischer Abfälle ist auf eine dünne und gleichmäßige Verteilung zu achten. Die Ausbringung frischer Trester, Trub und Hefe sollte nur in bereits abgeernteten Weinbergen erfolgen. Darum gibt es eventuell in manchen Betrieben Schwierigkeiten mit der Ausbringung auf Flächen mit spät reifenden Rebsorten. Hier, aber auch für weiter vom Betrieb entfernte Flächen, gilt zu prüfen, ob nicht eine Zwischenlagerung mit Kompostierung einzuplanen ist.
Betriebseigene Wirtschaftsdünger dürfen in kleineren Kompostierungen eingesetzt werden. Bezüglich Dauer und Lage des Kompostplatzes sind die rheinland-pfälzischen Vorgaben für die Festmist-Zwischenlagerung in der freien Feldflur zu beachten.

Landbauliche Verwertung von Kieselgur-Filterrückständen

Verbrauchte Filter- und Aufsaugmassen aus Kieselgur dürfen nicht in trockenem Zustand ausgebracht werden. Sie sind unmittelbar nach der Aufbringung in den Boden einzuarbeiten. Um N-Überdüngung, aber auch Geruchsbelästigungen zu vermeiden, ist eine Menge von 15 – 20 t/ha Frischmasse (= 1,5 – 2,0 kg/m2) nicht zu überschreiten.

Handhabung der Kellereiabfälle im Nährstoffvergleich

Die Berücksichtigung der Trester-, Trub- und Hefedüngung im jährlichen Nährstoffvergleich ist abhängig von der Frage, ob der Betrieb seine Ernte als Trauben oder als Wein abbucht. Genossenschaftsbetriebe, die zweckmäßigerweise die Nährstoffmenge von Trauben abbuchen, verrechnen Trester und Hefe wieder als Nährstoffzufuhr.
Selbst Wein ausbauende Betriebe (Fass-, Flaschenvermarkter) müssen den Trester aus ihrer Produktion nicht berücksichtigen, wenn sie als Abfuhr lediglich die Nährstoffmenge von Wein abbuchen. Wenn jedoch solche Betriebe, z. B. als Brennereibetriebe betriebsfremden Trester oder Hefeschlempe in ihren eigenen Weinbergen düngen, muss dessen Nährstoffmenge als Zufuhr in die Nährstoffbilanz einbezogen werden.

Weblinks

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Ziegler, B. (2014): Trester und andere Kellereiabfälle zur Rebendüngung. Rhodt unter Rietburg (ehemaliger Spezialberater für Bodenpflege und Düngung der Abteilung Weinbau & Oenologie (Gruppe Weinbau), Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße).
  • Broschüre Rebendüngung. Herausgegeben vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße, S. 22-35