Gewürztraminer

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Rebsorte "Gewürztraminer"

Neben dem Gewürztraminer, der auch Roter Traminer genannt wird, gibt es noch den Weißen Traminer mit gelben Trauben. Diese Sorte ist für den deutschen Weinanbau jedoch von geringerer Bedeutung.

Synonyme für den Gewürztraminer sind Clevner, Gentil Duret rouge, Fermentin rouge.

Der Rote Traminer und der Gewürztraminer sind identisch oder unterscheiden sich wie Klone, die auch unterschiedliche Aromen aufweisen können.

Geschichte

Traminer-Weinberg in Rhodt in der Pfalz mit 400 Jahre alten Rebstöcken

Der Traminer gehörte schon bei seiner frühesten Nennung zu den begehrten Qualitätssorten. Ob der Name mit "Tramin" in Südtirol zusammenhängt, ist umstritten. Zumindest stellte dort 1470 Herzog Siegmund 4 Fuder seines besten Traminerweines der Abtei St. Georgen alljährlich als Messwein zur Verfügung. 1546 nennt ihn Hieronymus Bock und schon 1593 warnt Albertinus die Frauen davor, vom Traminerwein zu viel zu trinken. In den Verordnungen der Landesherren gehörte er mit dem Riesling und später dem Ruländer immer zu den empfohlenen Rebsorten. (Bei den Landherren handelte es sich um die Bischöfe von Speyer, die Kurfürsten der Pfalz, die Grafen von Leiningen und die Markgrafen von Baden).

Mit dem Riesling und einer reich tragenden Sorte wie Elbling, Gutedel und später Silvaner bildete er den klassischen gemischten Satz. Wegen Ertragsunsicherheit und Rückgangserscheinungen eroberte er nie größere Rebflächen. Umso erstaunlicher ist, dass wir mit dem bald 400jährigen, fast sortenreinen Traminerweinberg in Rhodt in der Pfalz, ein einmaliges Denkmal der Weinkultur bewahrt haben.

Ampelographie

Für diese Sorte werden folgende Mekmale angegeben [1]:

  • Ampelographisch sind der Rote Traminer und der Gewürztraminer nicht unterscheidbar.
Gewürztraminer-Traube mit vollreifen Beeren
  • Triebspitze stark weiß-rot filzig behaart,
  • Blatt klein, rundlich, oft breiter als lang, meist dreilappig, Oberseite: blasig, wenig behaart, Unterseite: stark filzig behaart, Blattnerven rötlich und wollig bis filzig behaart,
  • Blattrand wechselnd stumpf gezähnt,
  • Stielbucht V-förmig bis geschlossen,
  • Traube klein bis mittelgroß, dichtbeerig gedrungen
  • Beeren klein, rund bis länglich, dickschalig, fleischig und hohem Zuckergehalt,
  • Beerenfarbe, je nach Spielart:
    • rot = Roter Traminer
    • hellrot - rosa = Gewürztraminer
    • gelblich = Gelber Traminer
  • Diese Spielarten zeigen unterschiedlich würzigen Geschmack (saftig, süß, oft an Rosen erinnerndes Aroma) - die Standortbedingungen und der Reifegrad haben großen Einfluss.
  • mittelstarker Wuchs, engknotig,

Standortansprüche

  • Eine positive Eigenschaft des Gewürztraminers ist seine hohe Reife.
  • Im Anbau ist er unproblematisch. Eine starke genetische Aufspaltung ermöglicht unterschiedliche Klone.
  • sehr empfindlich gegen Virosen,
  • gute Frostwiderstandsfähigkeit,
  • wegen Dichtlaubigkeit vermehrte Laubarbeit (Traubenzone),
  • holzt auf schlechten Böden ab,
  • anfällig für Stiellähme
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Einen Überblick zur Widerstandsfähigkeit der Sorte finden Sie auf folgender Seite:
Widerstandsfähigkeit von Rebsorten



Ertrag und Wein

Ertrag:

  • Aufgrund seiner Neigung zu Verrieselung bringt er oft niedrige und stark schwankende Erträge.
  • Der Rote Traminer bringt oft mehr Ertrag.

Wein:

  • Die Weine dieser Sorte sind hochreif, aromatisch (Rosenduft) und wenig von der Säure geprägt.
  • Die edelsüßen, aromatischen Weine werden gerne als Aperitif oder zu Nachspeisen getrunken. Trocken passen sie gut zu Geflügel und würzigem Braten, beide auch zu Käse.

Anbau

Das Hauptanbaugebiet ist Mitteleuropa. Der Gewürztraminer wurde jedoch mit Riesling und Spätburgunder als Spezialität in fast alle Weinbauländer der Erde gebracht. Aus diesem Grund wird er auch in Nordamerika und Australien häufig angebaut.

Die folgende Tabelle verschafft einen Überblick über den Gewürztraminer-Anbau:

  • (*) 1. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [2]
  • (**) 2. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [3]
  • (***) 3. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [4]


Anbaugebiet Fläche [ha] Anteil [%]
Deutschland*** 936 0,9
Rheinland-Pfalz** 617 1,0
Pfalz**
404 1,7
Rheinhessen**
169 0,6
Nahe**
29 0,7
Mosel**
12 0,1
Mittelrhein*
2 keine Angaben
Baden-Württemberg* 214 keine Angaben
Württemberg*
65 keine Angaben
Baden***
147 0,9
Bayern (Franken)* 40 keine Angaben
Hessen* 12 keine Angaben
Hessische Bergstraße*
5 keine Angaben
Rheingau*
8 keine Angaben
Neue Bundesländer* 53 keine Angaben
Sachsen-Anhalt*
24 keine Angaben
Thüringen*
3 keine Angaben
Sachsen***
27 24,5


Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (1998): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten (siehe Seite 254-255), ISBN 3-8001-5719-5.
  2. Statistisches Bundesamt (2016): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2016): Statistische Berichte - Bestockte Rebflächen 2015. Bad Ems, C I - j/15, Kennziffer: C1073 201500, ISSN: 1430-5070.
  4. Deutscher Weinbauverband (2016): 19. Sonderbericht 2016 - Bestockte Rebflächen 2015

Literaturverzeichnis

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 422.1 - 422.2.
  • Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (1998): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten, ISBN 3-8001-5719-5.
  • Clarke, O. (1992): Weine aus aller Welt. Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart: 260 Seiten, ISBN 3-275-01040-9.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1998): Taschenbuch der Rebsorten. 11. Auflage, Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 454 Seiten, ISBN 3-921156-27-0.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1995): Traube und Wein. Deutschlands Rebsorten und Weine. Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 139 Seiten, ISBN 3-921156-04-1.
  • Johnson, H. & S. Pigott (2000): Atlas der deutschen Weine. Lagen, Produzenten, Weinstraßen. 5. vollständig überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage, Hallwag Verlag, Ostfildern: 232 Seiten, ISBN 3-444-10445-6.
  • Robinson, J. (1987): Reben - Trauben - Weine. Ein Führer durch die Rebsorten der Welt. Hallwag Verlag, Stuttgart: 280 Seiten, ISBN 3-444-10333-6.