Stickstoffdünger für den Weinbau

Aus Vitipendium
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Nährelement Stickstoff findet sich nahezu in allen Humusdüngern und organischen Handelsdüngemitteln. Hier liegt der größte Anteil an Stickstoff in organischer Bindung vor. Sie muss im Boden durch Prozesse der Mineralisation und Nitrifikation in pflanzenverfügbare Formen (Nitrat, Ammonium) überführt werden. Frische Dünger aus Fäkalien (Mist, Klärschlamm), sowie Reststoffe von Biogasanlagen können nennenswerte Mengen an Ammonium enthalten. Synthetische Stickstoffdünger außer Harnstoff und Kalkstickstoff sind meist schneller pflanzenverfügbar. Durch ihre höhere N-Konzentration ist der Aufwand für Transport und Ausbringung meist deutlich geringer.

Synthetische Stickstoffdünger

Im Handel werden vorwiegend Dünger mit den Stickstoffformen Nitrat, Ammonium, Carbamid und Cyanamid angeboten. Hier können die einzelnen N-Formen allein oder auch gemischt vorliegen.

Stickstoffdünger mit jeweils einer N-Form
Düngemittel N (%) S (%) CaO (%) Kalkwert (kg CaO dt-1
Kalksalpeter (Ca(NO3)2 = Calciumnitrat) 15,5 - 26,5 + 13
Schwefelsaures Ammoniak ((NH4)2SO4 = Ammoniumsulfat) 21 24 - - 63
Harnstoff (CO(NH2)2 = Carbamid) 46 - - - 46
Kalkstickstoff (CaCN2 = Calcium-Cyanamid) 20 - 20 + 35
Stickstoffdünger mit verschiedenen N-Formen (Mischformen)
Düngemittel N (%) S (%) Bestandteile, sonstiges Kalkwert (kg CaO dt-1
Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (NH4NO3 + CO(NH2) 28 - ¼ Nitrat, ¼ Ammon. ½ Harnst. -
Ammonsulfatsalpeter (ASS)(NH4NO3 + (NH4)2SO4 26 14 mind. 5 % Nitrat, Rest Ammonium - 63
Kalkammonsalpeter (NH4NO3 + CaCO3 (MgCO3) 27 - ½ Nitrat, ½ Ammon. 12,5 % CaO (+MgO) - 12
Stickstoff-Magnesia 24 6 ½ Nitrat, ½ Ammon. 8 % MgO -



Nitrifikationshemmer gelten als Ammoniumstabilisatoren in N-haltigen Düngemitteln. Sie setzen bei der Nitrifikation an, indem sie die Umwandlung von Ammonium zu Nitrit verzögern (Hemmung der Nitrosomonas). Der weitere Reaktionsschritt zum Nitrat durch die Nitrobacter soll dabei nicht gestört werden. In den handelsüblichen Düngern werden zum Grunddünger Ammonsulfatsalpeter (3/4 NH4 + 1/4 NO3 ) solche Nitrifikationshemmer (DIDIN = Dicyandiamid, ENTEC = Dimethylpyrazolphosphat) zugesetzt.

Stickstoffdünger mit Nitrifikationshemmern
Düngemittel N (%) S (%) Kalkwert (kg CaO dt-1
ALZON; ENTEC 26 25 bis 26 16 - 63

Organische N-Düngemittel

Nährstoffgehalte organischer Düngemittel
Nährstoffgehalte von Humusdüngern
Nährstoffgehalte von Reststoffen aus der Weinbereitung

Organische Handelsdünger werden aus Abfällen tierischer und pflanzlicher Herkunft hergestellt. Ihr Einsatz dient weniger der Humusmehrung eines Bodens, als vielmehr der Nährstoffzufuhr. Wegen ihrer langsameren N-Verfügbarkeit sollten sie möglichst vor dem Austrieb der Reben ausgebracht werden. Neben den Produkten aus jeweils einer einzigen Herkunft werden von Handel häufig auch Mischprodukte angeboten. In den organisch-mineralischen Düngemitteln werden organische Materialien zur Aufwertung mit mineralischen Düngemitteln angereichert.

Humusdünger

Organische Rest- und Abfallstoffe aus Land- und Forstwirtschaft, sowie von kommunalen Entsorgern werden im Weinbau zur Humus- und Nährstoffversorgung eingesetzt. Ihr Verwendung wird zwar von der Bioabfall-Verordnung auf 20 bzw. 30 t Kompost-Trockenmasse ha-1 3a-1 begrenzt, doch muss der Einsatz der meisten Produkten im Weinbau noch stärker eingeschränkt werden. So sollte mit einer einmaligen 3-Jahresgabe 100 bis max. 300 kg N ha-1 ausgebracht werden. Immerhin werden in den ersten 3 Jahren 40 bis 50 % des Gesamt-N mineralisiert und pflanzenverfügbar. Kritisch ist besonders das erste Jahr nach der Ausbringung, da hier 25 bis 30 % des ausgebrachten Stickstoffes verfügbar, aber auch auswaschungsgefährdet ist. Die N-Nachlieferung geht bereits im 2. Jahr deutlich zurück (10 % des Rest-N). Sie erstreckt sich dann über 2 Jahrzehnte. Bei regelmäßig wiederholten Humusgaben können sich jedoch die Mineralisationsfrachten der früheren Gaben aufsummieren. Daher sollte in solchen Fällen mit einer 3-Jahresgabe jeweils höchstens 150 kg N ha-1 zugeführt werden.

Pflanzenverfügbarer Stickstoff nach einer Trestergabe von 60 m3 ha-1 mit 228 kg Gesamt-N ha-1 (Mineralisationsraten nach Florian Amlinger (2002))

Eine deutlich raschere N-Verfügbarkeit ist bei den Kellereireststoffen Hefe und Trub zu erwarten. Aufgrund ihres engen C/N-Verhältnisses sind 75 % des Gesamt-N im ersten Jahr zu kalkulieren. Mit einer Jahresgabe sollten nicht mehr als 40 bis 80 kg N ha-1 ausgebracht werden. Verfuegbar-N Trester bZiegler.jpg

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Ziegler, B. (2013): Stickstoffdünger für den Weinbau. Rhodt unter Rietburg (ehemaliger Spezialberater für Bodenpflege und Düngung der Abteilung Weinbau & Oenologie (Gruppe Weinbau), Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße).
  • Ziegler, B. (2012): Rebendüngung. Abteilung Weinbau & Oenologie (Gruppe Weinbau), Broschürenreihe des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße: 58 Seiten.