Schwarzfäule

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Schwarzfäule
Guignardia bidwellii
Synonyme
Phoma uvicola, Phyllosticta ampelicida
Schwarzfäule an Trauben (6).jpg
befallene Traube
Systematik
Abteilung Schlauchpilze
Ascomycota
Unterabteilung Pezizomycotina
Klasse Dothideomycetes
Unterklasse Incertae sedis
Ordnung Botryosphaeriales
Familie Botryosphaeriaceae
Gattung Guignardia
Hauptfruchtform Guignardia bidwellii
Nebenfruchtform Phyllosticta ampelicida

Der Erreger der Schwarzfäule, der Pilz Guignardia bidwellii, tritt erst seit 2002 in größerem Umfang in den deutschen Weinbaugebieten auf. Ursprünglich stammt er aus Nordamerika und wurde im Zuge des globalen Handels mit reblaustoleranten nordamerikanischen Unterlagsreben in andere Erdteile verschleppt. Die Ausbreitung der Krankheit in Deutschland wurde seit der Jahrtausendwende vermutlich durch veränderte klimatische Bedingungen und dem wachsenden Anteil an nicht mehr bewirtschafteten Rebanlagen (Drieschen) begünstigt.[1]

Lebensweise und Krankheitsbild

Schadbild am Blatt (Blattbefall mit Pyknidien)

Der Erreger der Schwarzfäule, der Pilz Guignardia bidwellii, überwintert vor allem in eingetrockneten Trauben (Fruchtmumien) die am Rebstock oder auf dem Boden verbleiben. Während der Wintermonate bilden sich Fruchtkörper (Perithecien) mit Sporen (Ascosporen), die im Frühjahr schon bei geringen Niederschlägen ausgestoßen und mit dem Wind verbreitet werden. Die Ascosporen benötigen zur Keimung Nässe und Temperaturen zwischen 10 °C und 32 °C. Sie können das Laub und alle anderen grünen Rebteile infizieren. Durch die Infektion entstehen Nekrosen, in denen innerhalb weniger Tage Pyknidien gebildet werden. Aus diesen Pyknidien werden große Mengen ungeschlechtlich erzeugte Sporen ausgestoßen, die wiederum zu neuen Infektionen führen können. Die Infektionsgefahr nimmt bis zur Rebblüte zu und schwächt sich erst bei Beendigung des Blattwachstums und zum Beginn der Traubenreife wieder ab.

Bei Befall durch die Schwarzfäule bilden sich an den Blättern entlang der Blattspreiten 5 bis 10 mm lange Nekrosen, die durch einen braunen Rand vom gesunden Gewebe abgegrenzt sind. Auf den Sommertrieben erscheinen einige Millimeter bis mehrere Zentimeter große, längliche Nekrosen, in denen ebenso wie in den Blattnekrosen ungeschlechtliche Fruchtkörper (Pyknidien) ausgebildet werden. An infizierten Beeren zeigen sich zunächst hellgraue Flecken, die in eine rosafarbene, dann hellbraune Verfärbung der übrigen Beerenhaut übergehen. Unter der Beerenhaut bilden sich die Fruchtkörper aus, wobei sich die Beere schließlich dunkelblaugrau bis schwarz verfärbt und eintrocknet. Die Oberfläche dieser eingetrockneten Mumien ist dicht von Fruchtkörpern des Pilzes überzogen.

Bekämpfung

Da von verwilderten Weinbergen (Drieschen) eine hohe Infektionsgefahr ausgehen kann, sollten nicht mehr bewirtschaftete Flächen im Bedarfsfall gerodet werden. Trester aus befallenen Anlagen darf nicht oder erst nach vollständiger Kompostierung in Rebanlagen ausgebracht werden. Bei einer Infektion durch die Schwarzfäule werden ohne Gegenmaßnahmen schnell alle grünen Rebteile infiziert. Zur direkten Bekämpfung der Krankheit stehen einige zugelassene Mittel zur Verfügung. Wirksam sind Mittel aus der Gruppe der Dithiocarbamate, Strobilurine und Azole. In gefährdeten Anlagen sollten daher bei der Peronospora- und Oidium-Bekämpfung bevorzugt Mittel mit einer Zusatzwirkung gegenüber der Schwarzfäule eingesetzt werden.

Aktuelle Zulassungssituation aus PS Info

Einzelnachweise

  1. Mohr, H.D. (2012): Farbatlas Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge an der Weinrebe. Ulmer Verlag. Stuttgart-Hohenheim. 978-3-8001-7592-5

Literaturverzeichnis

  • B. Altmayer, J. Eichhorn, B. Fader, A. Kortekamp, R. Ipach, U. Ipach, H.-P. Lipps, K.-J. Schirra, B. Ziegler (2013): Sachkunde im Pflanzenschutz (Weinbau). 8. überarbeitete Auflage. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Phytomedizin. Neustadt an der Weinstraße. 
  • P.M. Kirk, P.F. Cannon, D.W. Minter and J.A. Stalpers CABI Europe - UK (Hrsg.) (2011): Ainsworth & Bisby's Dictionary Of The Fungi. 10. Auflage. CPI Group (UK) Ltd. Croydon. ISBN 978-1-84593-933-5