Scheurebe

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Rebsorte "Scheurebe"

Georg Scheu (1879-1949) kreuzte die Sorte Scheurebe im Jahre 1916 in Alzey als seinen 88. Sämling aus Silvaner x Bukettraube.[1][2] Die Sorte erhielt erst nach 1953 durch die Erzeugung von Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen auf dem Weingut Annaberg bei Bad Dürkheim als Qualitätssorte größere Bedeutung. Geringe Chlorose-Neigung machte sie für Kalkböden zwischen dem Zellertal und Schweigen, in Rheinhessen und Franken interessant. Noch bis 1980 wurden ihre Weine höher als die des Rieslings bewertet. Als aromabetonte Sorte ist sie heute von abnehmender Bedeutung. Die Zuchtnummer dieser Sorte heißt "Az S 88". Vor 1945 war sie als "Dr.-Wagner-Rebe" bekannt, danach als "S", "Sämling" oder "88" bis zur Namensgebung "Scheurebe".

Ampelographie

Für diese Sorte werden folgende Mekmale angegeben [3]:

  • Triebspitze fast kahl, rötlich,
  • Blatt mittelgroß, mittel bis deutlich fünflappig, lange bis Herbstende dunkelgrün (ähnlich Kerner),
  • Stielbuchtlappen am Stielansatz
  • Traube mittelgroß, dichtbeerig, gedrungen,
  • Beeren mittelgroß, rund, gelbgrün, Geschmack: saftig, mit fruchtigem Sortenaroma,
  • starker Wuchs, später Vegetationsabschluss,
  • spätreife Sorte

Standortansprüche

  • Als positive Eigenschaften sind die gute Kalkverträglichkeit und die Holzreife der Sorte zu nennen. Sie hat lange assimilierende Blätter.
  • Als negativ sind die Frostempfindlichkeit und die Anfälligkeit für Oidium, Botrytis und Peronospora zu bewerten.
  • Die Ansprüche an die Lage sind fast die gleichen wie bei Riesling.
  • Scheurebe hat eine gute Chlorose-Festigkeit (auch bei hohem Tongehalt).
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Einen Überblick zur Widerstandsfähigkeit der Sorte finden Sie auf folgender Seite:
Widerstandsfähigkeit von Rebsorten


Ertrag und Wein

Ertrag:

  • mittelhoch

Wein:

  • Der Wein schmeckt grasig und unreif-aromatisch mit einem Schwarze-Johannisbeer-Ton. Er wird entweder als Schoppenwein mit schmalziger Säure, der Riesling ähnelt, oder als edelsüßer Qualitätswein mit zartem Schmelz und Botrytis-Ton.
  • Trocken und halbtrocken passt er zu leichten bis kräftigen, hellen Fleischspeisen mit Meerrettich und Sellerie oder Geflügel. Edelsüß bietet er sich als Aperitif und zu Nachspeisen an.

Anbau

Die Scheurebe wird in Deutschland, Österreich und Kalifornien angebaut.

Die folgende Tabelle verschafft einen Überblick über den Scheureben-Anbau:

  • (*) 1. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [4]
  • (**) 2. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [5]
  • (***) 3. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [6]


Anbaugebiet Fläche [ha] Anteil [%]
Deutschland*** 1.414 1,4
Baden-Württemberg* 54 keine Angaben
Württemberg*
2 keine Angaben
Baden*
51 keine Angaben
Bayern (Franken)*** 145 2,4
Hessen* 5 keine Angaben
Hessische Bergstrasse*
1 keine Angaben
Rheingau*
3 keine Angaben
Rheinland-Pfalz** 1.183 1,8
Nahe**,***
103 2,5
Rheinhessen**,***
725 2,7
Pfalz**,***
347 1,5
Mittelrhein*
5 keine Angaben
Mosel*
3 keine Angaben
Neue Bundesländer* 26 keine Angaben
Saale-Unstrut*
4 keine Angaben
Sachsen***
22 5,4
Nordrhein-Westfalen* 1 keine Angaben

Siehe auch

Literatur

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 415.
  • Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Erst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schuhmann: Farbatlas Rebsorten, 3. Auflage, Eugen Ulmer, 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4</ref>.
  • Karl Bauer, Ferdinand Regner, Barbara Schildberger (2013): Weinbau. 9. Auflage. avBuch im Cadmos Verlag, Wien. ISBN 978-3-7040-2284-4
  • Clarke, O. (1992): Weine aus aller Welt. Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart: 260 Seiten, ISBN 3-275-01040-9.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1998): Taschenbuch der Rebsorten. 11. Auflage, Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 454 Seiten, ISBN 3-921156-27-0.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1995): Traube und Wein. Deutschlands Rebsorten und Weine. Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 139 Seiten, ISBN 3-921156-04-1.
  • Johnson, H. & S. Pigott (2000): Atlas der deutschen Weine. Lagen, Produzenten, Weinstraßen. 5. vollständig überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage, Hallwag Verlag, Ostfildern: 232 Seiten, ISBN 3-444-10445-6.
  • Robinson, J. (1987): Reben - Trauben - Weine. Ein Führer durch die Rebsorten der Welt. Hallwag Verlag, Stuttgart: 280 Seiten, ISBN 3-444-10333-6.

Einzelnachweise

  1. Karl Bauer, Ferdinand Regner, Barbara Schildberger: Weinbau, avBuch im Cadmos Verlag, Wien, 9. Auflage 2013, ISBN 978-3-7040-2284-4, S 379 - 380
  2. Ferdinand Regner: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2008, LFZ Klosterneuburg
  3. Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (1998): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten (siehe Seite 233), ISBN 3-8001-5719-5.
  4. Statistisches Bundesamt (2016): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2016): Statistische Berichte - Bestockte Rebflächen 2015. Bad Ems, C I - j/15, Kennziffer: C1073 201500, ISSN: 1430-5070.
  6. Deutscher Weinbauverband (2016): 19. Sonderbericht 2016 - Bestockte Rebflächen 2015