Grauer Burgunder

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Rebsorte "Grauer Burgunder"

Bei dieser Rebsorte handelt es sich um eine grautraubige Mutation der Burgunderfamilie. Rückmutationen an Trieben, Trauben und Beeren zum Blauen Spätburgunder oder Weißburgunder beweisen dies.

Synonyme für diese Sorte sind Ruländer, Tokayer (Elsaß, Südpfalz), Szürkebarat = Grauer Mönch (Ungarn), Moreote gris, Pinot gris (Frankreich) und Pinot Grigio (Italien).

Geschichte

1375 wurde die Sorte von Karl IV. nach Ungarn gebracht. 1568 wurde sie von Lazerus von Schwendi vom Plattensee ins Elsaß und an den Kaiserstuhl verpflanzt. 1711 fand Johann Seeger Ruland sie im verwilderten Garten des Assessor Seuffert in der Streifergasse in Speyer und verbreitete sie.

Ampelographie

Grauburgunder: alter Rebstock mit lockerbeerigen Trauben"

Für diese Sorte werden folgende Mekmale angegeben [1]:

  • mittelstarker Wuchs,
  • Triebspitze stark wollig behaart, weißlich bis hellgrün,
  • Blatt klein, derb, wenig gebuchtet, kaum behaart, dreilappig,
  • Traube je nach Reife grau- bis blaurot, mittelgroß, walzenförmig bis geschultert, sehr dichtbeerig,
  • Beeren rund bis länglich, gedrückt, dünnhäutig, graurot gefärbt,erreichen hohen Zuckergehalt, Geschmack: saftig, würzig

Standortansprüche

Grauburgunder-Ertragsanlage mit verrieselten Trauben
  • Grauer Burgunder zeichnet sich durch seinen aufrechten Wuchs aus und ist wenig krankheitsanfällig.
  • Gegen Winterfrost ist die Sorte nicht empfindlich.
  • Bei gutem Blütewetter können allerdings wie beim Spätburgunder Traubenteile mechanisch abgedrückt werden. Der dichte Beerenstand fördert außerdem Botrytis.
  • stellt hohe Ansprüche an Lage und Boden,
  • Beiaugen wenig fruchtbar,
  • leicht blüteempfindlich und anfällig für Chlorose
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Einen Überblick zur Widerstandsfähigkeit der Sorte finden Sie auf folgender Seite:
Widerstandsfähigkeit von Rebsorten



Ertrag und Wein

Ertrag:

  • Neue Klone dieser Sorte sind ertragssicher, die gesunden Beeren erreichen hohe Mostgewichte.
  • mittelhoch, regelmäßig

Wein:

  • Die Weine des Grauburgunders sind markant, körperreich und trocken mit zartem Bukett. Sie können zum Braten verwendet oder bei höheren Qualitäten zu Wild getrunken werden.
  • Die Sorte bringt körperreiche, volle, edelsüße Dessertweine für den Aperitif oder Nachtisch hervor.


Anbau

Das Anbaugebiet dieser Sorte erstreckt sich über Mitteleuropa, Norditalien und Ungarn. Er zählt in Deutschland mit rund 8% der mit Weißweinsorten bestockten Rebflächen zu den fünf wichtigsten Weißweinsorten. [2]

Die folgende Tabelle verschafft einen Überblick über den Grauer-Burgunder-Anbau:


  • (*) 1. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [3]
  • (**) 2. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [4]
  • (***) 3. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [5]


Anbaugebiet Fläche [ha] Anteil [%]
Deutschland*** 5.947 5,8
Rheinland-Pfalz** 3.525 5,5
Rheinhessen***
1.612 6,1
Pfalz***
1480 6,3
Nahe***
290 6,9
Mosel**
123 1,4
Mittelrhein**
15 3,2
Ahr*
5 keine Angaben
Baden-Württemberg* 2.156 keine Angaben
Baden***
1986 12,6
Württemberg*
173 keine Angaben
Hessen* 73 keine Angaben
Hessische Bergstrasse***
48 10,5
Rheingau*
25 keine Angaben
Bayern* 68 keine Angaben
Franken*
69 keine Angaben
Neue Bundesländer* 93 keine Angaben
Sachsen*
47 keine Angaben
Saale-Unstrut***
45 5,9
Brandenburg*
1 keine Angaben


Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (1998): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten (siehe Seite 208), ISBN 3-8001-5719-5.
  2. Statistisches Bundesamt (2015): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  3. Statistisches Bundesamt (2016): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2016): Statistische Berichte - Bestockte Rebflächen 2015. Bad Ems, C I - j/15, Kennziffer: C1073 201500, ISSN: 1430-5070.
  5. Deutscher Weinbauverband (2016): 19. Sonderbericht 2016 - Bestockte Rebflächen 2015

Literaturverzeichnis

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 419.
  • Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (1998): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten, ISBN 3-8001-5719-5.
  • Clarke, O. (1992): Weine aus aller Welt. Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart: 260 Seiten, ISBN 3-275-01040-9.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1998): Taschenbuch der Rebsorten. 11. Auflage, Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 454 Seiten, ISBN 3-921156-27-0.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1995): Traube und Wein. Deutschlands Rebsorten und Weine. Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 139 Seiten, ISBN 3-921156-04-1.
  • Johnson, H. & S. Pigott (2000): Atlas der deutschen Weine. Lagen, Produzenten, Weinstraßen. 5. vollständig überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage, Hallwag Verlag, Ostfildern: 232 Seiten, ISBN 3-444-10445-6.
  • Robinson, J. (1987): Reben - Trauben - Weine. Ein Führer durch die Rebsorten der Welt. Hallwag Verlag, Stuttgart: 280 Seiten, ISBN 3-444-10333-6.