Roter Brenner

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Roter Brenner
Pseudopezicula tracheiphila
(Müll.-Thurg.) Korf & W.Y. Zhuang, 1986
Synonyme
Pseudopeziza tracheiphila
Roter Brenner rueff.jpg
Roter Brenner (Pseudopezicula tracheiphila)
Systematik
Abteilung Schlauchpilze
Ascomycota
Unterabteilung Echte Schlauchpilze
Pezizomycotina
Klasse Leotiomycetes
Unterklasse Leotiomycetidae
Ordnung Helotiales
Familie Helotiaceae
Gattung Pseudopezicula
Hauptfruchtform Phialophora traceiphila
Nebenfruchtform Pseudopezicula tracheiphila

Der Rote Brenner ist eine Pilzerkrankung, die im deutschen Weinbau im Gegensatz zu den aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten Echter und Falscher Mehltau schon sehr lange existiert. Alle Rebsorten, einschließlich der widerstandsfähigen Neuzüchtungen, sind anfällig. Er tritt in Deutschland hauptsächlich in den Weinanbaugebieten Baden (Ortenau), Franken, Nahe und Ahr auf, bevorzugt in trockenen Steillagen.[1]

Krankheitsbild

Auf den Blättern bilden sich im Juni bei weißen Sorten gelbliche, bei roten Sorten rötliche Flecken, die später verbräunen. Die Flecken sind typischerweise durch die Blattadern begrenzt. In der Regel werden nur die basalen Blätter befallen. Diese können verdorren und vom Rebstock fallen. Bei einem schweren Befall können alle Blätter befallen werden, und der dadurch verursachte Verlust an Photosynthesefläche sowie der damit einhergehende Mostgewichtsverlust kann in Extremfällen zu über 70 Prozent Ertragsausfall führen. Gescheins- bzw. Traubenbefall (kleine schwarze Punkte) ist eher selten, und nur bei sehr hohem Infektionsdruck zu erwarten. Der Pilz tritt hauptsächlich in Rebanlagen auf, die auf steinigen, humusarmen, trockenen und sich schnell erwärmenden Böden stehen, da der Pilz als wärmebedürftig angesehen werden kann.

Lebensweise

Die Überwinterung des Pilzes erfolgt im abgefallenen Reblaub. Bei guter Durchfeuchtung und Temperaturen von mindestens 10 °C bilden sich auf den abgefallenen Blättern im Frühjahr Fruchtkörper (Apothezien), in denen ab 13 °C (Optimum 18 bis 20 °C) und weiterem Niederschlag Ascosporen entstehen. Reife Ascosporen werden bei ausreichender Feuchtigkeit ausgeschleudert, und die daraus auswachsenden Hyphen dringen aktiv in das Blatt ein. Durch einen Befall der Leitbahnen im Blatt werden die betroffenen Bereiche von der Wasser- und Nährstoffzufuhr abgeschnittenen und sterben ab. Infektionen können in Schüben oder bei anhaltender Nässe auch ohne Unterbrechung bis in den Juli hinein erfolgen.

Bekämpfung

Da der Pilz eine monozyklische Lebensweise besitzt, ist theoretisch eine indirekte Bekämpfung durch Entfernen des infizierten Laubes möglich. Bei geringem Befall sind nur einzelne Reben und dort nur einzelne Blätter betroffen. Diese können bei Sichtbarwerden der Symptome entfernt und über den Hausmüll entsorgt werden. Dadurch wird das Inokulum im Folgejahr stark reduziert. Aufgrund des lokal begrenzten Auftretens sollte nur in gefährdeten Lagen und Anlagen mit andauerndem Befall der Einsatz von Fungiziden in Erwägung gezogen werden.

Eine Bekämpfung sollte erfolgen, wenn die ersten Triebe das Dreiblatt-Stadium (ES 13) erreicht haben. Ob zu diesem Zeitpunkt dann tatsächlich eine Spritzung durchgeführt werden muss, hängt von der jeweiligen Witterung ab. Erst wenn die bereits erwähnte Bodenfeuchtigkeit gegeben war, können die Fruchtkörper reifen und Sporen entlassen. Die Bekämpfung sollte möglichst erst kurz vor zu erwartenden Niederschlägen erfolgen. Da Infektionen in mehreren Schüben erfolgen können, sind die Behandlungen je nach Witterung im 8 bis 12-tägigen Abstand bis zum Einsatz der Peronospora-Bekämpfung fortzusetzen.


Aktuelle Zulassungssituation aus PS Info

Einzelnachweise

  1. Mohr, H.D. (2012): Farbatlas Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge an der Weinrebe. Ulmer Verlag. Stuttgart-Hohenheim. 978-3-8001-7592-5

Literaturverzeichnis

  • B. Altmayer, J. Eichhorn, B. Fader, A. Kortekamp, R. Ipach, U. Ipach, H.-P. Lipps, K.-J. Schirra, B. Ziegler (2013): Sachkunde im Pflanzenschutz (Weinbau). 8. überarbeitete Auflage. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Phytomedizin. Neustadt an der Weinstraße. 
  • P.M. Kirk, P.F. Cannon, D.W. Minter and J.A. Stalpers CABI Europe - UK (Hrsg.) (2011): Ainsworth & Bisby's Dictionary Of The Fungi. 10. Auflage. CPI Group (UK) Ltd. Croydon. ISBN 978-1-84593-933-5
  • Mohr, H.D. (2012): Farbatlas Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge an der Weinrebe. Ulmer Verlag. Stuttgart-Hohenheim. ISBN 978-3-8001-7592-5