Blauer Portugieser

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Rebsorte "Blauer Portugieser"

Der Blaue Portugieser ist eine alte Rotweinsorte aus der Untersteiermark im heutigen Slowenien, welcher in Mittel- und Südosteuropa verbreitet ist. Nach den neuesten gentechnischen Untersuchungen ist die Sorte eine Kreuzung von der Blauen Zimmettraube mit Grüner Silvaner.[1]

Um 1840 wurde die Sorte von Johann Philipp Bronner (1792-1864) aus Österreich übernommen. In den Rotweingebieten in Deutschland wurde der Blaue Portugieser sofort eine gesuchte Sorte. Um 1860 gelangte die Sorte auf den Dürkheimer Feuerberg und verdrängte weitgehend die alten, vorher gepflanzten roten Sorten wie Möhrchen, Gelbhölzer, Malvasier, Trollinger und auch den Blauen Spätburgunder.



Ampelographie

Für diese Sorte werden folgende Mekmale angegeben [2]:

  • Triebspitze fast kahl, glänzend, gelbgrün,
  • noch wachsende Blätter und Triebe rötlich bronziert,
  • Blatt groß, glatt, glänzend, grün, drei- bis schwach fünflappig,
  • Blattrand grob gezähnt,
  • Stielbucht geschlossen, bei schwachem Wuchs V-förmig,
  • Traube mittel bis groß, länglich, beidseitig geschultert, dichtbeerig,
  • Beeren rundlich bis oval, von Nachbarn gedrückt, Geschmack: fruchtig süß, wohlschmeckend


Standortansprüche

  • Die Sorte hat geringe Boden- und Lagenansprüche und eine frühe Reife.
  • Sie ist wüchsig und ertragssicher.
  • Für feuchte, schwere Böden ist der Blaue Portugieser weniger geeignet.
  • sehr empfindlich gegen Winterfrost,
  • empfindlich gegen kupferhältige Pflanzenschutzmittel,
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Einen Überblick zur Widerstandsfähigkeit der Sorte finden Sie auf folgender Seite:
Widerstandsfähigkeit von Rebsorten



Ertrag und Wein

Ertrag:

  • hoch, regelmäßig

Wein:

  • Der Wein ist rubinrot, blumig, duftig und zart. Der Weißherbst dieser Rebsorte wird als Schoppenwein oder zu Vorspeisen getrunken. Als Rotwein ist er ebenfalls als Schoppenwein beliebt, oder wird zu kräftigen, weißen Fleischspeisen getrunken.
  • liefert milde und neutrale Rotweine
  • rascher Ausbau und rasche Alterung


Anbau

Das Anbaugebiet erstreckt sich über Mitteleuropa. In Deutschland macht der Portugieser derzeit rund 10% der mit Rotweinsorten bestockten Rebflächen aus und zählt somit zu den 5 wichtigsten Rotweinsorten. [3]

Die folgende Tabelle verschafft einen Überblick über den Blauen Portugieser-Anbau:

  • (*) 1. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [4]
  • (**) 2. Anbaustatistik für das Jahr 2015 [5]


Anbaugebiet Fläche [ha] Anteil [%]
Deutschland* 3.246 keine Angaben
Rheinland-Pfalz** 2.972 4,6
Pfalz**
1.589 6,7
Rheinhessen**
1.258 4,7
Nahe**
92 2,2
Ahr**
25 4,4
Mittelrhein**
5 1,2
Mosel*
2 keine Angaben
Baden-Württemberg* 170 keine Angaben
Württemberg*
140 keine Angaben
Baden*
25 keine Angaben
Bayern (Franken)* 58 keine Angaben
Neue Bundesländer* 43 keine Angaben
Sachsen-Anhalt*
40 keine Angaben
Thüringen*
1 keine Angaben
Sachsen*
2 keine Angaben
Hessen* 8 keine Angaben
Hessische Bergstraße*
3 keine Angaben
Rheingau*
4 keine Angaben


Weblinks

Einzelnachweise

  1. E. Maul, F. Röckel, R. Töpfer: The "missing link" Blaue Zimmettraube reveals that 'Blauer Portugieser and Blaufränkisch originated in Lower Styria, Julius Kühn-Institute (JKI), Institute for Grapevine Breeding Geilweilerhof, Siebeldingen, Germany; Vitis 55, 135–143 (2016)
  2. Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (1998): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten (siehe Seite 210-211), ISBN 3-8001-5719-5.
  3. Statistisches Bundesamt (2015): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  4. Statistisches Bundesamt (2016): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2016): Statistische Berichte - Bestockte Rebflächen 2015. Bad Ems, C I - j/15, Kennziffer: C1073 201500, ISSN: 1430-5070.

Literaturverzeichnis

  • Adams, K., Jakob, L. & F. Schumann (1997): Weinkompendium. 2. Auflage, Verein der Absolventen der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau, Neustadt an der Weinstraße: Artikel 461.
  • Ambrosi, H., Dettweiler-Münch, E., Rühl, E. H., Schmid, J. & F. Schumann (1998): Farbatlas Rebsorten. 300 Sorten und ihre Weine. 2., verbesserte und ergänzte Auflage, Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart (Hohenheim): 320 Seiten, ISBN 3-8001-5719-5.
  • Clarke, O. (1992): Weine aus aller Welt. Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart: 260 Seiten, ISBN 3-275-01040-9.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1998): Taschenbuch der Rebsorten. 11. Auflage, Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 454 Seiten, ISBN 3-921156-27-0.
  • Hillebrand, W., Lott, H. & F. Pfaff (1995): Traube und Wein. Deutschlands Rebsorten und Weine. Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz: 139 Seiten, ISBN 3-921156-04-1.
  • Johnson, H. & S. Pigott (2000): Atlas der deutschen Weine. Lagen, Produzenten, Weinstraßen. 5. vollständig überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage, Hallwag Verlag, Ostfildern: 232 Seiten, ISBN 3-444-10445-6.
  • Robinson, J. (1987): Reben - Trauben - Weine. Ein Führer durch die Rebsorten der Welt. Hallwag Verlag, Stuttgart: 280 Seiten, ISBN 3-444-10333-6.