Pilzkrankheiten

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Wann mit der Bekämpfung einer bestimmten Pilzkrankheit begonnen wird, hängt im Einzelfall von der Lebensweise des jeweiligen Erregers und dem Zeitpunkt des ersten Auftretens ab. In der Praxis besteht hauptsächlich aus arbeitswirtschaftlichen Überlegungen der Wunsch, die Bekämpfung mehrerer Krankheiten und gegebenenfalls auch die Bekämpfung von Schädlingen zu kombinieren und in allen Anlagen in gleicher Weise durchzuführen. Nicht immer ist dies jedoch sinnvoll und durchführbar. Treten bestimmte Krankheiten und Schädlinge nur in einzelnen Anlagen auf, sollte auch nur dort eine Bekämpfung durchgeführt werden. Treten mehrere Krankheiten und Schädlinge gemeinsam auf, richtet sich der Beginn der Rebschutzmaßnahmen eines Betriebes nach dem zuerst zu erwartenden Befall. Es hängt dann vom Einzelfall ab, welche Bekämpfungsmaßnahmen miteinander kombiniert werden können.

Beispiele für Bekämpfungsstrategien

Phomopsis tritt meist nur in einzelnen Rebanlagen auf, dies allerdings sehr früh. Damit richtet sich der erste Bekämpfungstermin nach dieser Krankheit, allerdings nur in entsprechend gefährdeten Anlagen.

Bei warmer und trockener Witterung sowie schnellem Wachstum steht der Echte Mehltau (Oidium) im Vordergrund der Bekämpfung und erfordert erste Bekämpfungsmaßnahmen. Umgekehrt sind bei nassen Wetterbedingungen (Regenfälle) erste Behandlungen gegen den Falschen Mehltau (Peronospora) einzuleiten.

Ähnlich verhält es sich mit den Spritzabständen. So wird in der Regel die Bekämpfung von Peronospora und Oidium kombiniert. Eine getrennte Bekämpfungsstrategie für beide Krankheiten ist allenfalls im Vorblütebereich, sonst aber wenig sinnvoll und in der Praxis nicht durchführbar. Wenn Bekämpfungsmaßnahmen mehrmals hintereinander kombiniert werden sollen, muss sich der Spritzabstand nach der Krankheit richten, deren Befallsdruck momentan am höchsten ist.
Die Spritzung in die abgehende Blüte ist einer der wichtigsten Bekämpfungstermine, weil die jungen Beeren nach dem Abwerfen der Blütenkäppchen vollkommen ungeschützt sind. Unabhängig davon, wie lange die vorhergegangene Spritzung zurückliegt, sind die Beeren mit einem ersten Mittelbelag zu versehen. Die Behandlung sollte in der Regel erfolgen, wenn 80 % der Blütenkäppchen abgeworfen sind, gegebenenfalls sind gestaffelte Behandlungen durchzuführen. Ein Abwarten bis zum Ende der Blüte würde das Befallsrisiko in den meisten Jahren unnötig erhöhen.
In Jahren, in denen die Blüte aufgrund kühler Witterung stark verzögert abläuft, ist es oft nicht zu vermeiden, auch in die Blüte zu spritzen. Witterungsbedingungen, die zu einem verzögerten Verlauf der Rebblüte führen, fördern häufig auch den Infektionsdruck durch pilzliche Krankheitserreger. Im Hinblick auf den Blüteverlauf bringt eine solche Spritzung keine Nachteile, wohl aber aus arbeitswirtschaftlicher Sicht. Beeren, deren Blütenkäppchen bereits unmittelbar nach der Behandlung abgefallen sind, sind dann wiederum nicht geschützt. Somit macht eine Spritzung in die Blüte die obligatorische Spritzung in die abgehende Blüte nicht überflüssig, was dann jedoch zu einer höheren Behandlungszahl führen kann.
Die Abschlussbehandlung wird in der Praxis zum Termin Ende Juli/Anfang August oft zu früh durchgeführt. Hintergrund des frühen Termins zur Abschlussspritzung ist die Überlegung, dass Peronospora und Oidium die Beere ab Reifebeginn nicht mehr befallen können. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass auch das Laub noch vor Spätinfektionen geschützt werden muss, um dessen Photosyntheseleistung nicht vorzeitig zu mindern. Gerade am Ende der Vegetationsperiode ist der Infektionsdruck häufig sehr hoch. Da auch die letzte Botrytisbekämpfung nicht zu früh erfolgen sollte, empfiehlt sich, die Abschlussspritzung gegen Pilzkrankheiten erst zum Termin "Reifebeginn" (ES 81) durchzuführen. Bei der Mittelwahl zur letzten Spritzung ist auf die Wartezeit zu achten. Diese sollte 35 Tage nicht überschreiten, um auch bei unvorhergesehener früher Lese die entsprechenden Wartezeiten einhalten zu können.

Antiresistenz-Management

Zur Erhaltung der Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden Fungizidpalette kommt der Beachtung des Antiresistenz-Managements (ARM) eine wichtige Bedeutung zu. Werden spezifisch wirkende Fungizide zu häufig hintereinander angewendet (sogenannte Blockspritzungen), besteht bei den verschiedenen Pilzkrankheiten die Gefahr der Resistenzbildung bzw. der Ausbreitung resistenter Stämme. Dies kann unter Umständen sogar bis zum völligen Wirkungsverlust der Mittel führen. Vor allem bei den Krankheiten, bei denen häufige Behandlungen notwendig sind (z. B. Peronospora, Oidium), sowie bei Botrytis ist das Risiko der Resistenzbildung hoch. Um Resistenzentwicklungen zu verhindern sind die Grundsätze des Anti-Resistenzmanagements bei der Planung der Spritzfolge zu berücksichtigen.

Grundsätze des Antiresistenz-Managements

  • Bevorzugt vorbeugende Bekämpfung anstreben
  • Gute Applikationstechnik sicherstellen (z. B. angepasste Fahrgeschwindigkeit)
  • Gebrauchsanweisungen der Hersteller beachten (Anwendungskonzentration usw.)
  • Nutzung kulturtechnischer Maßnahmen zur Befallsvorbeugung
  • Wechsel von Fungiziden mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (Wirkstoffgruppenwechsel)

Wichtigster Punkt des Antiresistenz-Managements ist der Wechsel der Wirkstoffgruppen. Beim Einsatz spezifisch wirkender Fungizide ist daher grundsätzlich zu beachten:

  • Peronospora, Oidium: Maximal 3 Anwendungen pro Vegetationsperiode (über alle Indikationen) mit Fungiziden, die einer gemeinsamen Wirkstoffgruppe angehören.
  • Botrytis: Bei Spezialbotrytiziden maximal 1 Behandlung pro Mittel in der Vegetationsperiode (aufgrund des hohen Resistenzrisikos bei Botrytis).

Weniger gefährdet sind die Produkte, die unspezifisch an mehreren Orten im Stoffwechsel des Pilzes angreifen. Bei diesen Produkten ist die Gefahr der Resistenzentwicklung auch bei wiederholter Anwendung gering. Zu den unspezifisch wirkenden Fungiziden gehören beispielsweise die Peronospora-Kontaktmittel (z. B. Dithane Neotec, Polyram WG, Folpan 80 WDG, Delan WG 700, Kupferfungizide) sowie die Netzschwefelprodukte. Aus Sicht des Antiresistenz-Managements kann bei diesen Produkten die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen ausgebracht werden. Anwendungsbeschränkungen ergeben sich jedoch für die Produkte beispielsweise durch die unterschiedliche Verträglichkeit gegenüber Raubmilben. Solange es der Befallsdruck in den Weinbergen zulässt, ist aus resistenztechnischer Sicht die Verwendung von unspezifisch wirkenden Kontaktfungiziden zu bevorzugen.

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Einzelnachweise

Video: Mehltau bestimmen, Wein richtig pflegen, aufbinden und ausgeizen


Literaturverzeichnis

B. Altmayer, J. Eichhorn, B. Fader, A. Kortekamp, R. Ipach, U. Ipach, H.-P. Lipps, K.-J. Schirra, B. Ziegler (2013): Sachkunde im Pflanzenschutz (Weinbau). 8. überarbeitete Auflage. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Phytomedizin. Neustadt an der Weinstraße.