Phomopsis viticola

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Schwarzfleckenkrankheit
Phomopsis viticola
Synonyme
Triebnekrose, Phoma viticola, weitere siehe Species Fungorum
Fruchtkörper an Rebholz Phomopsis.jpg
befallenes Holz
Systematik
Abteilung Schlauchpilze
Ascomycota
Unterabteilung Pezizomycotina
Klasse Sordariomycetes
Unterklasse Sordariomycetidae
Ordnung Diaporthales
Familie Diaporthaceae
Gattung Phomopsis
Hauptfruchtform Diaporthe neoviticola
Nebenfruchtform Phomopsis viticola

Die Schwarzfleckenkrankheit oder Phomopsis ist eine Pilzerkrankung der Rebe, die zumeist in Gebieten mit häufigen Niederschlägen während des Rebenaustriebs Schäden verursacht. Bei starkem Befall kann die Krankheit zu einer deutlichen Reduzierung des Ertrags führen.[1]

Folgende Synonyme sind in Gebrauch:

Deutsche Bezeichnung: Schwarzfleckenkrankheit, Triebnekrose
Wissenschaftliche Bezeichnung: Diaporthe viticola, Diplodia viticola, Fusicoccum viticola, Phoma viticola, Phomopsis viticola

Lebensweise und Krankheitsbild

Der Pilz überwintert in bzw. auf der Rinde des einjährigen Holzes und verursacht dort eine weißliche Aufhellung (Weißrutigkeit). Gleichzeitig entstehen dort die Fruchtkörper (Pyknidien), die sich als kleine schwarze Punkte (ca. 0,5-1 mm im Durchschnitt) deutlich vor der aufgehellten Rinde abheben und hauptsächlich an den unteren Internodien sichtbar sind. Im Frühjahr können bereits ab Temperaturen über dem Gefrierpunkt und ausreichender Nässedauer von ca. 12 Stunden Sporen aus den Fruchtkörpern entlassen werden. Dabei entstehen sogenannte Sporenranken, in denen die Sporen in einer klebrigen Masse eingebettet sind. Bei Regenereignissen können diese Sporen dann in der Regel nur über kurze Distanzen verbreitet werden. Bereits ab dem Dreiblatt-Stadium (ES 13) können die jungen Blätter und Triebe infiziert werden. Ein Befall ist ab Austrieb über die gesamte Vegetationsperiode möglich und äußert sich an den Blättern an kleinen punktförmigen Nekrosen mit hellem Hof und an den Trieben durch punktförmige oder längliche Nekrosen. Bei Starkniederschlägen können Infektionen bis in die Triebspitzen erfolgen.

Durch eine Streckung der Triebe, bedingt durch ein weiteres Wachstum, kommt es zu schiffchenförmigen Aufreißungen an den zuvor punktförmigen Nekrosen, die nun von einem dunklen Rand umgeben sind. Im Spätsommer und Herbst werden auf dem Holz neue Fruchtkörper gebildet. Die Schädigung des einjährigen Holzes führt dazu, dass die unteren Rebaugen nicht oder nur verzögert austreiben. Beim Rebschnitt fehlt gegebenenfalls geeignetes Zielholz und der Stockaufbau kann gestört werden. Möglicherweise kann der Pilz auch in das mehrjährige Holz eindringen und Schäden verursachen.

Bekämpfung

Folgende Maßnahmen dienen der vorbeugenden Bekämpfung: Bei der Auswahl der Edelreiser zur Vermehrung ist befallenes Holz zu verwerfen. In stark befallenen Anlagen sollten daher keine Edelreisruten geschnitten werden. Wenn möglich, sollten beim Rebschnitt stark befallene Rebteile entfernt und der Stamm unterhalb des befallenen Rebholzes neu aufgebaut werden. Da große Wunden ideale Eingangspforten für den Pilz sind, sind diese beim Rebschnitt zu vermeiden. Falls dies unvermeidlich ist, sollten sie mit Wundverschlussmitteln bestrichen werden. Das Verbrennen des Schnittholzes bringt keinen Bekämpfungserfolg, da am Rebstock und an der Bogrebe genügend Infektionsmaterial vorhanden ist. Das Schnittholz kann auf dem Boden verbleiben und gehäckselt bzw. als Mulchmaterial verwendet werden, da keine Infektionen über größere Distanzen aufgrund der nur kurzen Verbreitungswege zu erwarten sind.

Pflanzenschutzmittel müssen vor möglichen Infektionen eingesetzt werden. Da Infektionsbedingungen bereits ab Austrieb gegeben sein können, ist in gefährdeten Anlagen (mit Vorjahresbefall und/oder sichtbaren Fruchtkörpern sowie aufgehellten Trieben) bei entsprechenden Witterungsbedingungen bereits ab ES 09 (Knospenaufbruch) eine erste Behandlung mit einem Kontaktmittel notwendig. Je nach Umfang des Neuzuwachses und den Witterungsbedingungen sind die Spritzungen in 10-14-tägigen Abständen fortzuführen. Da die meisten Fungizide zur Bekämpfung der Peronospora auch eine Zulassung bzw. Wirkung gegenüber der Phomopsis haben, wird bei deren Einsatz ab Beginn der Peronospora-Bekämpfung die Phomopsis mit erfasst. Falls aus bestimmten Gründen ein Fungizid ohne Wirkung gegenüber Phomopsis eingesetzt wird, ist in gefährdeten Anlagen im Vorblütebereich ein entsprechendes Mittel zusätzlich zu verwenden.

Aktuelle Zulassungssituation aus PS Info

Einzelnachweise

  1. Mohr, H.D. (2012): Farbatlas Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge an der Weinrebe. Ulmer Verlag. Stuttgart-Hohenheim. 978-3-8001-7592-5

Literaturverzeichnis

  • B. Altmayer, J. Eichhorn, B. Fader, A. Kortekamp, R. Ipach, U. Ipach, H.-P. Lipps, K.-J. Schirra, B. Ziegler (2013): Sachkunde im Pflanzenschutz (Weinbau). 8. überarbeitete Auflage. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Phytomedizin. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Hawksworth, D.L.; Kirk, P.M.; Sutton, B.C.; Pegler, D.N. (1995): Ainsworth and Bisby´s Dictionary of the Fungi. CAB International,. Wallingford/Oxon (UK). ISBN 0851988857
  • P.M. Kirk, P.F. Cannon, D.W. Minter and J.A. Stalpers CABI Europe - UK (Hrsg.) (2011): Ainsworth & Bisby's Dictionary Of The Fungi. 10. Auflage. CPI Group (UK) Ltd. Croydon. ISBN 978-1-84593-933-5
  • Mohr, H.D. (2012): Farbatlas Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge an der Weinrebe. Ulmer Verlag. Stuttgart-Hohenheim. ISBN 978-3-8001-7592-5

Weblinks