Nitrat-Auswaschung über Winter reduzieren

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„Wir horchen staunend auf, wenn eine Nasa-Sonde Wasser auf dem Mars entdeckt haben soll, aber wir haben verlernt zu staunen über das Wasser, das bei uns so selbstverständlich aus dem Hahn fließt“, sagte einmal Horst Köhler. Auch gegenwärtig leidet die Trinkwasserqualität durch überhöhte Nitrat-Einträge aus landwirtschaftlichen Flächen infolge unsachgemäßer Stickstoff-Düngung und Bodenbearbeitung. Angesichts dessen sind auch Weinbaubetriebe angehalten,insbesondere die Nitrat-Auswaschung über die Wintermonate durch Umsetzung nachfolgender Maßnahmen zu verringern.

Flächendeckende Begrünung über Winter

Gründüngung mit Inkarnatklee (Trifolium incarnatum) in jeder 2. Gasse mit einem Deckungsgrad von 70 %. Bei dieser prozentualen Bodenbedeckung stehen im kommenden Jahr annähernd 24 kg N/ha (jährlicher Entzug bei 140 dt Trauben = 31 kg N/ha) zur Verfügung. Mit Hilfe der Tabelle kann die geschätzte Stickstoff-Fixierung durch Leguminosen in Abhängigkeit ihres Deckungsgrades in der Rebfläche ermittelt werden.

Von Oktober bis März ist die Auswaschung von Nitrat am größten, da sich die Reben während dieser Zeit in Vegetationsruhe befinden und keine Nährstoffe aufnehmen. Gelöste Stickstoff-Formen wie Nitrat oder Ammonium können daher nur von Begrünungspflanzen verwertet werden. Infolgedessen sind unbegrünte Gassen ab Ende Juli/Anfang August mit Einsaaten (Winterbegrünung: 50 % der Gemengepartner sollten frostfest sein) oder standorttypischen Pflanzen zu begrünen. Bei stark N-überversorgten Anlagen sollte die Mischung keine Klee- und Körnerleguminosen enthalten, da diese durch die Symbiose mit den Knöllchenbakterien zusätzlich Luftstickstoff fixieren. Je nach deren Bodenbedeckungsgrad ist mit teils beträchtlichen N-Mengen zu rechnen (siehe Tabelle unten, Abbildung rechts oben), die bei der Nährstoffbilanzierung und Düngeplanung unbedingt zu berücksichtigen sind! Daher sind für N-überversorgte Standorte besonders Herbst- oder Winterbegrünung mit Stickstoff-Zehrern wie Kreuzblütlern (Ölrettich, Winterraps, Gelbsenf) und Gräsern (Winterroggen, Einjähriges (Lolium multiflorum) und Welsches Weidelgras (Lolium italicum) geeignet. Wer aus Kostengründen auf eine Gründüngungseinsaat verzichtet, sollte zumindest ab Ende Juli die offenen Gassen natürlich begrünen lassen. Die schnell und dicht aufwachsende Spontanflora entzieht dem Boden ebenfalls beträchtliche Nitrat-Mengen.

Hilfstabelle zur Abschätzung der Stickstoff-Fixierung durch Leguminosen
Deckungsgrad der Leguminosen Begrünung
in jeder 2. Gasse in jeder Gasse ganzflächig
kg N/ha
25 % 8 16 20
50 % 16 32 40
75 % 24 48 60
100 % 32 64 80

Kein Begrünungsumbruch von August bis zum neuen Austrieb

Ein Negativbeispiel für Wasser- und Bodenschutz: Die intensive Bodenbearbeitung nach der Weinlese wird zu erheblichen Nitrat-Austrägen, Bodenerosion, Spurrinnenbildung mit Verdichtungen und Abnahme der Bodenfruchtbarkeit durch die fehlende Durchwurzelung führen.

Spontanbegrünungen mit hochwachsenden Ackerkräutern wie Amarant und Melde werden teilweise immer noch vor oder direkt nach der Weinlese umgebrochen statt gemulcht (siehe Abbildung rechts unten). Diese der guten fachlichen Praxis widerstrebende Maßnahme regt in Kombination mit der herbsttypischen hohen Bodentemperatur und -feuchte stark die Mineralisation an. Die aus der pflanzlichen Biomasse freigesetzten Stickstoff-Mengen werden von der Rebe nicht mehr zur Blatt-, Frucht- und Holzbildung genutzt und bei fehlender Winterbegrünung größtenteils als Nitrat ausgewaschen. Deshalb sollte der natürliche Aufwuchs in Herbst lediglich gewalzt oder gemulcht werden, damit die Pflanzen weiterwachsen und dem Boden Nitrat entziehen können. Bezüglich der Auswaschungsgefahr gilt, dass eine ganzflächige Bodenbearbeitung in bestehenden Jung- und Ertragsanlagen ab August bis zum neuen Austrieb zu unterlassen ist.

Ausbringmenge von Humusdüngern an N-Gehalt bemessen

Während bei Trester (8 kg N/t) mit einer langsameren Abbaurate zu rechnen ist (Verfügbarkeit 50 % des Gesamt-N in 3 Jahren), muss bei Trub (5 kg N/m³) und Hefe (flüssig: 8 kg N/m³, filtriert: 16 kg N/m³) von einer raschen Mineralisation ausgegangen werden (Verfügbarkeit 75 % des Gesamt-N im ersten Jahr). Infolgedessen kann Trester in Dreijahresgaben mit 200 bis 300 kg Gesamt-N/ha, Trub und Hefe dagegen nur als Einjahresgaben mit 50 bis 80 kg N/ha bemessen werden. Die Tresterausbringung in dieselbe Anlage über Jahre hinweg ist zu unterlassen! Trub und Hefe sollten nur auf intensiv mit N-Zehrern bewachsenen Flächen ausgebracht oder alternativ dazu, mit N-ärmeren Materialien kompostiert werden. Biogasgärreste sind durch die meist hohen Stickstoff-Gehalte als organische Dünger einzustufen und sollten nicht über Winter ausgebracht werden. Ihr hoher Ammonium-Anteil entspricht mineralischen N-Düngern und ist über Winter stark auswaschungsgefährdet.

Weblinks

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Claudia Huth (2014): Nitrat-Auswaschung über Winter reduzieren. Der Deutsche Weinbau - 24.10.14 - Nr.21: 42.