Kirschessigfliege

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Kirschessigfliege
Drosophila suzukii
Matsumura, 1931
D suzukii beide.jpg
D. suzukii: Oben Weibchen, Unten Männchen
Systematik
Klasse Insekten
Insecta
Ordnung Zweiflügler
Diptera
Unterordnung Fliegen
Brachycera
Familie Taufliegen
Drosphilidae


Die Kirschessigfliege Drosophila suzukii ist eine invasive Art, die aus ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet in Südostasien unter anderem nach Europa eingeschleppt wurde. In Deutschland ist sie erstmals 2011 erfasst worden. Seitdem hat sie sich in weiten Teilen der Republik ausgebreitet. Internationale und deutsche Forschungsgruppen arbeiten intensiv daran, offene Fragen zur Biologie der Kirschessigfliege zu beantworten und für die obst- und weinbauliche Praxis Möglichkeiten zur Kontrolle des Schädlings zu entwickeln. Wirtschaftliche Schäden sind 2014 in Obstkulturen (u.a. Süß- und Sauerkirschen) aufgetreten, Beerenobst ist derzeit hochgradig gefährdet. Deshalb sollte mit Reifebeginn ein wachsames Auge auf Rebanlagen, insbesondere auf die roten Sorten, gelegt werden!

Der aktuelle Sonderaufruf des Instituts für Phytomedizin am DLR Rheinpfalz (Neustadt an der Weinstraße) mit Informationen zur Kirschessigfliege steht Ihnen nachfolgend als pdf-Datei zur Verfügung (Stand August 2016):
Sonderaufruf 05 InfoblattKEFJuli2016.pdf

Wirtsspektrum

Aufgrund ihres breiten Wirtsspektrums muss die Kirschessigfliege als gefährlicher Schadorganismus eingestuft werden. Gefährdet sind unter anderem Erdbeere, Süß- und Sauerkirsche, Himbeere, Brombeere, Heidelbeere, Holunder, Feige, Maulbeere, Aprikose sowie Weintrauben. Aber auch die Früchte von Ziersträuchern wie z.B. die des Kirschlorbeers oder des Roten Hartriegels werden von den Fliegen zur Reproduktion genutzt. Rot und rötlich gefärbte Früchte sind offensichtlich besonders attraktiv! Während unsere einheimische schwarzbäuchige Essigfliege Drosophila melanogaster bereits geschädigte/gärende Früchte befällt, greift die Kirschessigfliege in der Reifephase befindliche gesunde Früchte und Trauben an. Die Tiere können die Weinberge deshalb relativ früh mit Beginn der Traubenreife anfliegen! Die Haut der Wirtsfrüchte wird zur Eiablage mit einem sägeartigen Legeapparat der Weibchen geöffnet. Bereits nach einem Tag können die Larven schlüpfen und am Fruchtfleisch fressen. Früchte werden an den Befallsstellen weich und faulig. Aufgrund der für Deutschland angenommenen 6 bis 8 Generationen pro Jahr sowie der hohen Eiablagerate von etwa 400 Eiern pro Weibchen können innerhalb kurzer Zeit Obst- und Rebanlagen befallen und massiv geschädigt werden.


Monitoring des Schädlings

Seit ihrem ersten Auftreten in Deutschland wird die Ausbreitung der Kirschessigfliege intensiv überwacht. Mit Flüssiglockstoff bestückte Köderfallen werden insbesondere im Umfeld von Obst- und Rebflächen montiert. Weitere Standorte sind Gärten mit den aufgeführten Wirtspflanzen sowie in der Nähe von Komposthaufen. Zusätzlich sind Hecken- und Saumstrukturen sowie Waldbereiche in das Programm mit einbezogen. Am DLR Rheinpfalz in Neustadt werden regelmäßig Fruchtproben im Labor auf Befall überprüft.

Kontrollmaßnahmen für die Praxis

Im Weinbau fallen insbesondere rote Sorten in das Wirtsspektrum. Untersuchungen haben ergeben, dass der Schädling heiße und trockene Bedingungen weitgehend meidet und dann häufig auf für ihn günstigere Standorte (moderate Temperaturen, genügend Feuchtigkeit) ausweicht beziehungsweise keine hohen Individuendichten aufbauen kann. Dies könnte ein Vorteil für Gebiete/Lagen sein, die überwiegend solche Klimabedingungen vorweisen. Phytosanitäre Maßnahmen, die im Rahmen der Botrytis-Vorbeugung seit Jahren im deutschen Weinbau empfohlen und angewendet werden, können für die Kirschessigfliege ungünstige Lebensräume schaffen und so indirekt helfen! Hierzu gehören das frühe Entblättern der Traubenzone, regelmäßige Laubarbeiten zur Durchlüftung der gesamten Laubwand sowie eine ausreichende Lockerung kompakter Traubensorten. Wichtig ist, dass herausgeschnittene Trauben (Bodentrauben) generell und umgehend gemulcht werden oder noch besser aus dem Weinberg entfernt und vernichtet werden!

Bekämpfung im Weinbau

Nach bisherigen Erkenntnissen kommt in Rebkulturen SpinTor (Wirkstoff 480 g/l Spinosad) zur Bekämpfung der Kirschessigfliege in Frage. Entsprechend wurde vom Arbeitskreis Lückenindikation (Leitung DLR Rheinpfalz in Neustadt) beim BVL ein Antrag zum Einsatz von SpinTor gegen Essigfliegen im Weinbau gestellt, der im April 2014 genehmigt wurde. SpinTor darf demnach gegen Essigfliegen (Drosophila-Arten) ab Reifebeginn (ES 81) zweimal im Abstand von mindestens 7 Tagen eingesetzt werden. Die Anwendung zielt sowohl gegen erwachsene Fliegen als auch gegen die Larvenstadien, sollte aber als vorbeugende Behandlung platziert werden. Eine erste Behandlung ist zu empfehlen, sobald erwachsene Essigfliegen an reifenden, noch gesunden Trauben beobachtet werden. Beim Einsatz von SpinTor ist in Rebanlagen bis zur Lese eine Wartezeit von 14 Tagen festgesetzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass gewisse Umstände beispielsweise aus witterungsspezifischen Gründen und den kulturtechnischen Folgen (Hagel, Dauerregen, Essigfäule, starke Botrytis-Gefahr etc.) eine vorzeitige Lese notwendig machen! Die Wartezeit von 14 Tagen muss jedoch in jedem Fall eingehalten werden.


Literaturverzeichnis

  • Schirra, K.J. und Alexander, S. (2014): Die Kirschessigfliege. Abteilung Phytomedizin, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße.
  • Schirra, K.J. und Alexander, S. (2014): Ein wachsames Auge auf die Kirschessigfliege. Der Deutsche Weinbau 15/14 vom 18. Juli 2014, S. 34

Einzelnachweise


Weblinks