Fachschulprojekt

Aus Vitipendium
Wechseln zu: Navigation, Suche

Fachschüler der Oberklasse Weinbau und Oenologie berichten im Fach Kommunikation bei Frau Dr. Hardt über ihr Praxis-Projekt. Ein Jahr lang haben 26 Schülerinnen und Schüler des Fachschuljahrganges 2010/12 (siehe ABBILDUNG 1) ihre individuellen Vorstellungen und Ideen zur Erzeugung ihres eigenen Weines umgesetzt.

Bei der Entwicklung dieses sogenannten Projektweines, der von jedem Fachschüler eigenverantwortlich im Betrieb hergestellt wird, geht es von der Traubenerzeugung im Weinberg über die Weinbereitung im Keller bis zu Fragen der Vermarktung. Fachliche Unterstützung und Beratung bekommen die Schüler dabei von den zuständigen Fachlehrern bzw. Beratern der Abteilung Weinbau und Oenologie des DLR Rheinpfalz. Valentin Fischlhammer war bei folgendem Bericht federführend.

„Wir setzten uns hohe Ziele, und ein spannendes Jahr begann …“

Im November 2010, zum ersten Wintersemester der Fachschule, startete unser Projekt mit der Auswahl des „Projektweinberges“. Unabhängig von Sorte, Lage und Größe wählten wir, teils in elterlichen, teils in fremden Betrieben, unsere Weinberge für das Projekt aus. In der Schule erarbeiteten und diskutierten wir unsere gesamte Vorgehensweise und die dazugehörige Zieldefinition. In dieser Phase ging es um die konkrete Auswahl von Rebsorten, Lagen und Größe der Parzellen. Gleichzeitig entwarfen wir ein gemeinsames Weinbergsschild, um auf die jeweiligen Projektweinberge im Weinbergsgelände hinzuweisen. Somit wurde unser Vorhaben auch für Kollegen und Besucher sichtbar.

ABBILDUNG 1: Klassenfoto des Fachschuljahrganges 2010/12




Anschließend legten wir eine Dokumentationsmappe an, in der alle Maßnahmen und Kriterien für die erfolgreiche Durchführung unseres Projektweines festgehalten wurden. Dazu zählten vorgesehene Pflanzenschutzmaßnahmen ebenso wie Bodenuntersuchungen und die Bestimmung von Deckungsgraden vorhandener Beikräuter sowie betriebswirtschaftliche Berechnungen verschiedenster Arbeitsvorgänge. Schließlich wurden auch Vorstellungen zum angestrebten Preisniveau festgelegt. Somit konnte jeder Arbeitsschritt dokumentiert werden.





Je nach geografischer Lage der Projektweinberge erfolgte eine Aufteilung in Gruppen: Es entstanden fünf Gruppen mit jeweils fünf oder sechs und Schülern. Jede Gruppe wurde dabei von zwei Beratern aus Weinbau und Oenologie des DLR Rheinpfalz über die gesamte Projektdauer betreut. Nun erfolgte die erste Besichtigung unserer Weinberge. Insgesamt fanden vier „Vor-Ort-Termine“ (siehe ABBILDUNG 2) statt. Je nach Vegetationsfortschritt ging es dabei um die Besprechung der jeweils anfallenden Arbeiten, Bonituren und Bodenbearbeitungsmaßnahmen.

ABBILDUNG 2: „Vor-Ort-Termin“ Weinberg: Christoph Fücks, Nicolay Lidy, Christine Schneider, Christian Bourdy und Marc Klebba mit Herrn Becker bei der Beurteilung der Trauben im Weinberg.


Für den Winzer beginnt das Weinbaujahr mit dem Rebschnitt. So schnitten wir während der Wintermonate meist nach der Schule unsere Weinberge. Die meisten von uns entschieden sich für den klassischen Rebschnitt, bei dem eine einjährige Fruchtrute mit acht bis zehn Augen stehen gelassen wird.

Florian Day aus Ruppertsberg schnitt seinen Riesling in Königsbach auf Kordon: „Ich wollte den Unterschied zwischen Kordon und klassischem Rebschnitt bezüglich der Traubenstruktur beurteilen. Es ergaben sich keine größeren Unterschiede hinsichtlich der Qualität. Lediglich die Beerengröße auf Kordon geschnittenen Teil nahm deutlich ab.“


Nach dem Rebschnitt folgte das Ausheben des Holzes. Dabei wurden alle abgeschnittenen Holzteile aus dem Drahtrahmen herausgezogen. In den Monaten März und April begann das Anbinden der angeschnittenen Ruten. Dabei experimentierten wir mit Bindearten wie Flachbogen, Halbbogen, Pendelbogen und V-Strecker. Im Rieslaner-Weinberg von Eric Stenger aus Kleinniedesheim kamen gleich drei verschiedene Bindearten zum Einsatz: „Ich wollte in meinem biologisch bewirtschafteten Weinberg herausfinden, welche Bindeart die geschickteste ist. Also testete ich auf einer Fläche von 40 ar den Pendelbogen, den Halbbogen, sowie den Flachbogen. Aufgrund der Arbeitserleichterung und der verbesserten Traubenqualität erwies sich der Flachbogen als die beste Variante“.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 2011 fielen die Temperaturen in weiten Teilen der Pfalz unter 0°C. Aufgrund der weit fortgeschrittenen Vegetation und der bis dahin warmen trockenen Witterung kam es teilweise zu massiven Schäden in unseren Projektweinbergen. Bei Thilo Schulz aus Weinolsheim führte dies zum Totalausfall seines Projektweinberges. Er musste Anlage und Rebsorte wechseln. Auch bei Christian Bourdy aus Edesheim entstanden durch Frostschäden einige Mehrarbeiten. So musste er die geschädigten Triebe durch nachwachsende ersetzen. Hierbei machte das Aufheften der neuen Ruten die meiste Arbeit: „Bei den späteren Laubarbeiten musste ich auf jeden Stock individuell eingehen. Da große Vegetationsunterschiede zwischen geschädigten und nachwachsenden Ruten entstanden waren, war eine Anpassung des Drahtrahmens zum Ausgleichen erforderlich. In Folge dieser Maßnahme konnte ich trotz Ertragsverlusts eine ausreichende Holz- und Traubenreife erzielen.“

Die frühe Blüte Ende Mai war für die meisten der Beginn der qualitätsfördernden Maßnahmen. Jonathan Friedrich aus Westhofen führte beispielsweise in seinem Projektweinberg eine intensive Entblätterung durch: „In meiner biologisch bewirtschafteten Grauburgunder- Anlage entblätterte ich zum ersten Mal doppelseitig. Ich erhoffte mir mit dieser intensiven Maßnahme eine widerstandsfähigere Beerenhaut. Die damit verbundene stärkere Sonneneinstrahlung auf die erbsengroßen Beeren sollte das begünstigen. Gleichzeitig trockneten die Trauben nach Niederschlägen durch die luftigere Laubwand viel schneller ab. Dadurch konnten sich Schadpilze im Vergleich zu nicht entblätterten Anlagen auch schlechter ausbreiten, was die Traubengesundheit deutlich erhöhte.“

ABBILDUNG 3: Qualitätsfördernde Maßnahmen: Starke Entblätterung und Halbierung der Grauburgunder-Trauben im Wingert von Fabian Nagel.








Eine weitere qualitätsfördernde Maßnahme stellte das Traubenhalbieren dar. Fabian Nagel aus Vollmersweiler führte diese Arbeit erstmalig durch: „Kurz vor Traubenschluss halbierte ich meine Grauburgunder-Trauben (siehe ABBILDUNG 3). Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Kerngesunde Trauben führten zu einem qualitativ hochwertigen und dichten Wein“.









Um gesundes Lesegut ernten zu können, spielt neben den qualitätsfördernden Maßnahmen auch der Pflanzenschutz eine entscheidende Rolle. Dabei bestimmt selbstverständlich die Bewirtschaftungsweise des Betriebes die Anwendung und Ausbringung bestimmter Pflanzenschutzmittel. So orientierten wir uns beim Einsatz von Pflanzenschutzpräparaten, ob konventionell oder biologisch, an der Ausrichtung des Betriebes. Im Weingut Dr. Wehrheim in Birkweiler führte Valentin Fischlhammer den biologischen Pflanzenschutz durch: „Das Weingut Dr. Wehrheim erzeugt seine Trauben nach biologisch-dynamischen Richtlinien. So wurde auch mein Projekt-Riesling im Kastanienbusch biologisch bewirtschaftet. Gegenüber dem konventionellen Weinbau wurden hier zusätzlich Pflanzenstärkungsmittel wie Fenchelöle eingesetzt. Diese stärken die Beerenhaut, um sie gegen eindringende Pilze widerstandsfähig zu machen. Zusätzlich verlangt der biologische Pflanzenschutz eine sehr sorgfältige Dokumentation aller verwendeten Mittel und Präparate. Diese strengen Auflagen werden von den Verbände auch sehr sorgfältig kontrolliert.“

Das Frühjahr 2011 brachte in den Weinbergen einen sehr frühen Austrieb. Das hatte einen erheblichen Vegetationsvorsprung zur Folge. Dadurch kam es in diesem Jahr zu einer der frühesten Lesen überhaupt. Schon Ende August waren die ersten Trauben süß und reif und die Lese konnte beginnen (siehe ABBILDUNG 4).

ABBILDUNG 4: Bestimmung des Mostgewichtes und Ertragsschätzung im Weinberg von Forian Day unter Anleitung von Herrn Sebastian: Christoph Fritsch, Michael Bohnenstiel und Florian Day.






In den Projektweinbergen kamen sowohl Hand- als auch Maschinenlese zum Einsatz. Claus Zimmermann aus Neustadt-Haardt führte in seinem Sauvignon Blanc eine gestaffelte Handlese durch: „Um die für Sauvignon typischen grünen und fruchtigen Aromen zu fördern, entschied ich mich für eine gestaffelte Lese. Die Vorlese erntete ich mit 85 °Oechsle, zwei Wochen später die Hauptlese mit 98 °Oechsle. Durch dieses Verfahren erreichte ich sowohl reife Aromen wie Maracuja und Litschi, als auch grüne Noten wie Paprika und Spargel.“






Nach der Lese begann nun die Arbeit im Keller (siehe ABBILDUNG 5). Während der Wintermonate bauten wir unsere Weine aus. In aller Regel geschah dies in Edelstahltanks.

ABBILDUNG 5: „Vor-Ort-Termin“ Keller: Christine Schneider, Nicolay Lidy, Marc Klebba und Christoph Fücks besichtigen den Keller des Weingutes Bourdy in Edesheim.


Drei Schüler (Felix Zöller, Christian Bourdy, Thilo Schulz) entschieden sich jedoch für den Einsatz von Holz: „Wir haben uns als Ziel gesetzt, kräftige, vollmundige, cremige und langlebige Weine zu kreieren. Um dies zu erreichen, entschieden wir uns für den Einsatz von Holz. Dabei setzte Felix zum ersten Mal auf Vergärung und einen weiteren Ausbau im Barrique. Ein erhöhter Trubgehalt sollte hierbei dem späteren Wein mehr Körper und Schmelz verleihen. Christian hingegen legte Wert auf einen Verschnitt aus im Barrique und im Edelstahl vergorenem Wein, um eine Spannung zwischen Frucht und Holz zu erhalten. Thilo dagegen setzte auf die moderne Variante mit Holzeinsatz durch Chips im Wein. Dabei experimentierte er mit verschiedenen Hölzern und Toasts um unterschiedliche Röstaromen zu erreichen.“



Im November begann das zweite Wintersemester der Fachschule. Nun wurden unsere Projektweine untereinander probiert und analysiert. Auch hier griffen wir auf die fachmännische Beratung der Oenologen zurück, gaben uns aber auch gegenseitig Lob und Kritik und hilfreiche Anregungen. Michael Bohnenstiel aus Herxheim am Berg fasst das so zusammen: „Die Arbeit mit den kellerwirtschaftlichen Beratern fand immer in einer sehr offenen Unterrichtsform statt. Dabei gaben uns die Lehrkräfte Anregungen und wertvolle Tipps. Die endgültige Entscheidung trafen wir Schüler allerdings selbst. Doch auch untereinander wurde heftig diskutiert und besprochen. Allerdings haben wir alle sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Freiheitsgrade in den Betrieben, sodass nicht alle Maßnahmen immer möglich sind. Jeder Fachschüler muss einfach innerhalb seines Umfeldes das Maximale leisten, um ein tolles Ergebnis in der Flasche zu haben. Denn am Ende ist es genau dieses schmeckbare Ergebnis, das uns Anerkennung und Sicherheit gibt und uns auch stolz über das Geschaffte macht.“

ABBILDUNG 6: Sensorische Bewertung der selbsterzeugten Projektweine des Weinbau-Fachschuljahrganges 2010/12.







Bei mehreren Jungweinproben probierten wir immer wieder gegenseitig unsere Weine. Wir lobten und kritisierten uns, wir gaben uns Tipps und Empfehlungen und versuchten immer wieder, uns zu steigern (siehe ABBILDUNG 6).











Unser nächstes und letztes gemeinsames Ziel in diesem Projekt ist der Messeauftritt bei der Pfälzer Wein- und Sektmesse in Bad Dürkheim am 30. März bis 1. April 2012. Dafür liefen in den Marketing-Modulen der Schule bereits die Vorbereitungen auf Hochtouren. Flyer wurden gedruckt, Mottos erarbeitet und Weinbeschreibungen verfasst. Schließlich soll unser Wein zum Kunden und auch gekauft werden. Dieser Auftritt war sozusagen der Höhepunkt unseres Schaffens. Und damit endet dieses lehrreiche Fachschuljahr.

UNSER FAZIT

Der Jahrgang 2011 war für uns der spannendste überhaupt. Der erste eigene Wein in der Flasche. Was für ein Gefühl!

Natürlich gab es auch viele Probleme wie Maifrost und örtliche Hagelschäden doch gleichzeitig günstige Konstellationen wie frühen Austrieb und goldenen Oktober. Im Keller waren die Berater immer schnell zur Stelle und halfen, auftretende Probleme wie Gärschwierigkeiten und Böckserbildungen zu lösen. So konnten wir unter Aufsicht unsere Ideen echt verwirklichen und erstmalig unseren eigenen Wein abfüllen. Die Ergebnisse reichen vom spritzig fruchtigen Riesling über einen aromaintensiven Muskateller bis hin zu vollmundigen Burgundersorten.

Auch wenn die Schulzeit nun bald zu Ende geht und die letzten Projektweine getrunken sind, werden uns die gesammelten Erfahrungen auf unserem weiteren Weg als Winzer immer begleiten. Schließlich war es für alle von uns der erste „eigene“ Wein. Wir hatten erstmalig die Möglichkeit, Neues auszuprobieren und eigenverantwortlich zu entscheiden.

Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Hardt, C. (2012): Neuen Ideen Geschmack verleihen. Das Deutsche Weinmagazin (Nr. 8/21. April 2012): 36-38 Seite.