Düngung im Weinbau

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Stickstoff

Ein Überangebot an Stickstoff (N) führt zu stark wüchsigen Rebanlagen mit den bekannten Nachteilen der erhöhten Krankheits-, besonders aber der Traubenfäulnisgefahr. Ein zu hohes N-Angebot kann durch eine übermäßige mineralische, aber auch organische Düngung erfolgen. Das Angebot an pflanzenverfügbarem Stickstoff wird außerdem durch die Mineralisation des Bodenhumus beeinflusst. Immerhin enthält der Humus eines Bodens zwischen 2.500 und 10.000 kg organisch gebundenen Stickstoff. Davon werden jährlich, je nach Bodenpflege, zwischen 0,5 und 3,0 % verfügbar. Deshalb muss bei der Bemessung der N-Düngung der Humusgehalt des Oberbodens und die Bodenpflegeart berücksichtigt werden.


Nährstoffgaben in Abhängigkeit von der Ertragshöhe
Trauben (kg/ha) Wein (hl/ha) Nährstoffgaben (kg/ha)
N P2O5 K2O MgO
10 000 78 25 15 50 20
15 000 117 40 25 80 30
20 000 156 55 35 110 40


Schema zur Bemessung der Stickstoffdüngung im Weinbau, Stufe 1

Die folgende Tabelle dient der Ermittlung des N-Grundbedarfes. Die angegebenen Stickstoffmengen beziehen sich auf eine Ertragshöhe und Abfuhr von 140 dt Trauben/ha = 105 hl Wein/ha, bei normaler Wüchsigkeit der Reben und 75 % Ausnutzungsgrad für mineralische N-Düngemittel.

Nach Humusgehalt des Oberbodens Nach Richtwerten
50 kg N/ha 40 kg N/ha
bei Unterschreiten folgender Humusgehalte orientiert am Nährstoffentzug durch die Trauben
steinarme Böden
Sand und Lehm 2,5 % Humus
Ton und Mergel 3,0 % Humus
steinhaltige Böden
10 - 30 % Steine 3,6 % Humus
30 - 50 % Steine 5,0 % Humus
> 50 % Steine 7,0 % Humus
Der Steingehalt ist vom Winzer zu bestimmen (Schätzen oder Siebprobe)
Bestimmung des Humusgehaltes durch chemische Untersuchung des Oberbodens (0 bis 30 cm) im Abstand von 4 bis 6 Jahren.



Schema zur Bemessung der Stickstoffdüngung im Weinbau, Stufe 2

Die folgende Tabelle thematisiert Zu- und Abschläge zum N-Grundbedarf. Die Angaben gelten für die beiden vorgenannten Varianten.

Traubenertrag
(am Standort realisierbare Ertragshöhe)
Trauben Wein Zu-/Abschlag
67 dt/ha = 50 hl/ha -20 kg N/ha
100 dt/ha = 75 hl/ha -10 kg N/ha
140 dt/ha = 105 hl/ha ± 0 kg N/ha
200 dt/ha = 150 hl/ha +15 kg N/ha
Rebenwachstum (Wuchs) stark bis sehr stark -20 bis - 50 kg N/ha
normal ± 0 kg N/ha
schwach bis sehr schwach +10 bis + 35 kg N/ha
Bodenpflege
Dauerbegrünung mit Gräsern und anderen Nichtleguminosen 1. bis 5. Jahr +10 bis +20 kg N/ha
> 5. Jahr 0 bis +10 kg N/ha
Begrünungen mit Leguminosen je nach Deckungsgrad 0 bis -50 kg N/ha
Umbruch von mehrjährigen Begrünungen 1. und 2. Jahr -20 bis -50 kg N/ha
Offenhaltende Bodenpflege ± 0 kg N/ha
Edelreisvermehrungsanlagen +10 bis +15 kg N/ha


Termine für die Stickstoffdüngung:

  • organische N-Dünger (Rizinusschrot, Hornspäne, Hühnerdung): März - April
  • mineralische N-Dünger (z.B. Kalkammonsalpeter, Nitrophoska): April - Mai (Austrieb)


P-, K-, Mg-, Ca- und B-Düngung

Die sehr unterschiedlichen Bodenvorräte der einzelnen Nährelemente erlauben keine Pauschaldüngung. Deshalb sollte sich die Phosphat-, Kali-, Magnesium- und Kalkdüngung an den Ergebnissen von Bodenuntersuchungen orientieren. Zwar schreibt die Düngeverordnung von 2006 nur für Parzellen über 1 ha Größe eine Bodenanalyse auf Phosphat im 6-jährigen Turnus vor, die staatliche Weinbauberatung empfiehlt jedoch dringend, aus eigenem Interesse auch kleinere Parzellen bzw. Schläge auf Humus, pH-Wert, P, K und Mg zu untersuchen. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund einer vielfach anzutreffenden Überversorgung mit P und K speziell auf alten Weinbergsstandorten. Eine Bodenuntersuchung macht nur dann Sinn, wenn ihr Ergebnis in der Umsetzung bei der Düngung auch berücksichtigt wird. So sollte die Analyse zunächst anhand der nachfolgenden Tabelle ausgewertet werden.

Versorgungsstufen Phosphat Kali Magnesium Bor
mg/100 g Boden mg/kg B.
P2O5 K2O Mg B
alle Böden leichte B. mittlere B. schwere B. alle Böden alle Böden
niedrig A <6 <5 <8 <10 <5 <0,35
mittel B 6 - 11 5 - 9 8 - 14 10 - 19 5 - 9 0,35 - 0,69
anzustreben C 12 - 20 10 - 20 15 - 25 20 - 30 10 - 15 0,70 - 0,90
sehr hoch D 21 - 30 21 - 30 26 - 38 31 - 45 16 - 22 0,91 - 1,35
extrem hoch E >30 >30 >38 >45 >22 >1,35


Bei Erträgen um 140 dt Trauben/ha und einem vorhandenen Nährstoffgehalt im Bereich der anzustrebenden Versorgungsstufe C im Boden sind folgende Nährstoffgaben pro Jahr zur Erhaltungsdüngung vorzusehen:

Phosphat 15 bis 25 kg P2O5/ha
Kali - je nach Bodenart 60 bis 80 kg K2O/ha
Magnesium 20 bis 30 kg MgO/ha


Diese Nährstoffe können auf mittelschweren bis schweren Böden im Rahmen einer Schaukeldüngung im drei- bis fünfjährigen Rhythmus ausgebracht werden. Auf leichten, durchlässigen Böden ist davon abzusehen, da bei K und Mg mit größeren Auswaschungsverlusten zu rechnen wäre. Weist die Bodenuntersuchung einen zu geringen Bodenvorrat aus, sind die oben genannten Nährstoffgaben um 50 % (Versorgungsstufe B) bis 100 % (Versorgungsstufe A) zu erhöhen. Böden in den Versorgungsstufen D und E sind bis zur nächsten Bodenuntersuchung mit den entsprechenden Nährstoffen nicht zu düngen.
Auf kalkungsbedürftigen Böden wird die Magnesiumversorgung zweckmäßigerweise mit magnesiumhaltigen Kalken erfolgen. Böden ohne Kalkbedarf erhalten die erforderliche Mg-Düngung mittels Kieserit.
Aus Sicht der Bodengesundheit (Bodenleben, Mineralisation, Bodenstruktur) und Verfügbarkeit der meisten Nährstoffe wird für Reben eine schwach saure bis neutrale Bodenreaktion angestrebt:

Leichte Böden pH-Wert ca. 5,8 bis 6,5
Mittlere Böden pH-Wert ca. 6 bis 7
Schwere Böden pH-Wert ca. 6,5 bis 7,0


Der Winzer sollte sich darum regelmäßig durch Bodenuntersuchungen einen Überblick über die pH-Werte in seinen Böden verschaffen. Versauerungsgefährdete Böden erhalten alle 3 Jahre 10-25 dt Kalk pro Hektar (Bodenuntersuchung). Auf leichten Böden sind langsamer verfügbare Kalke, wie kohlensaurer Kalk, Magnesiummergel und Hüttenkalk zu verwenden.

Humusdüngung

Bei Belassen von Rebholz und Laub benötigen offen gehaltene Weinberge jährlich pro ha 20-40 dt organische Substanz. Die Humuslieferung einer Gründüngung bzw. Dauerbegrünung reicht meist aus. Mit einer Humusgabe sollten nicht mehr als 90 bis 150 kg/ha verfügbarer Stickstoff ausgebracht werden. Humusdünger enthalten beachtliche Nährstoffmengen. Diese sind bei der Mineraldüngung zu berücksichtigen.

Produkt Einheit Inhaltsstoffe in kg/Einheit Gaben 1)
(Einh. pro ha für 3 Jahre)
Humus
(org. Subst.)
N P2O5 K2O MgO
Trester4)
1 m3 = 0,4 – 0,5 t
t
m3
370
185
7,5
3,8
2,6
1,3
10
5,0
0,7
0,4
20 - 40
40 – 80
Tresterkompost 4)
40 % TM
t 12 5 17 2 15 – 25
Stroh t 800 4 2 12 2 5 – 15
Hochdruckballen: 15 kg HD-Ballen 12 0,1 0,03 0,18 0,03 330 – 1000
Rundballen: 250 kg Rund-Ballen 200 1 0,5 3 0,5 20 - 60
Festmist, frisch 4)
Rinder , 25 % TS t 200 5,5 4 8 1 35 – 55
Rinder-Tiefstall, 25 % TS t 200 6,5 3 10 1 30 – 45
Schweine, 25 % TS t 200 9 7 7 2 20 – 35
Pferde, 30 % TS t 4,5 3 8 1 40 – 70
Schafe, 30 % TS t 7,5 3 13,5 25 – 40
Baumrinde
1 m3 = 0,4 t
t
m3
500
200
3
1,2
1
0,4
2
0,8
1
0,4
20 – 40
50 – 100
Biokomposte 2) 4)
Kompost aus getrennter Sammlung von organ. Haushaltsabfällen
t
m3
300
190
12
7,5
5,5
3,5
10
6,3
5,5
3,5
15 - 253
25 – 403
Grünkomposte 2)
aus zerkleinerten und kompostierten Garten- und Grünabfällen
t
m3
250
130
6
3,2
2,5
1,3
5
2,6
3
1,6
30 – 50
55 – 95


Kellereiabfälle 5) Einheit Inhaltsstoffe in kg/Einheit Gaben 5)
(Einh. pro ha für 3 Jahre)
Humus
(org. Subst.)
N P2O5 K2O MgO
Mosttrub, flüssig 4)
1 m3 = 1 t
m3 70 5 0,3 3 0,1 10 - 20
Weinhefe, flüssig 4)
20 % TS, 1 m3 = 1 t
m3 160 8 3 12 0,3 7 – 13
Weinhefe, filtriert 4)
40 % TS, 1 m3 = 0,7 t
t
m3
320
220
16
11
6
4
24
17
0,7
0,5
3 – 7
5 - 9

Legende zur Tabelle Wirtschafts- und Sekundärrohstoffdünger für den Weinbau:
org. Subst.: organische Substanz, TS: Trockensubstanz
1) Mit einer Humusgabe sollte eine Stickstoffmenge von nicht wesentlich mehr als einem Dreijahresbedarf ausgebracht werden. Die angegebene Spanne bezieht sich auf 90 - 150 kg verfügbaren Stickstoff pro Hektar. 2) Wegen der unterschiedlichen Zusammensetzung sind die aktuellen Analysenwerte der Kompostwerke zu beachten. 3) Lt. Bioabfall-VO dürfen je nach Schwermetallgehalt max. 20 bzw. 30 t Kompost-Trockensubstanz alle 3 Jahre ausgebracht werden. Wegen der hohen N- und P-Frachten müssen diese Ausbringmengen bei Biokomposten unterschritten werden. 4) Produkte mit wesentlichen Nährstoffgehalten an Stickstoff (> 1,5 % N i. TM) oder Phosphat (> 0,5 % i. TM). Nach der Dünge-VO (2006) ist ihr Einsatz auf gefrorenen oder mehr als 5 cm mit Schnee bedeckten Böden nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt. 5) Der Stickstoff in Mosttrub und Hefe ist verhältnismäßig rasch und in hohem Maße (75 %) verfügbar. Daher sollte mit einer Gabe lediglich ein Einjahresbedarf ausgebracht werden (40 - 80 kg/ha verfügbarer Stickstoff).

Bodenpflege und Begrünung

Die Begrünung jeder zweiten Rebgasse oder - wo möglich - jeder Rebgasse ist der wichtigste Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Wo eine Dauerbegrünung nicht praktikabel ist, sollte zumindest über Winter begrünt werden. Die positiven Auswirkungen einer Begrünung auf physiologische Störungen wie Chlorose oder Stiellähme sind unbestritten. Das gleichmäßige N-Angebot auf niedrigem Niveau lässt ein exzessives Rebenwachstum nicht zu und trägt dadurch auch zur Verringerung der Botrytis bei. Die Lebensbedingungen für Nützlinge werden verbessert, so dass auch positive Auswirkungen auf den Befall durch tierische Schädlinge gegeben sind. Spritzungen können aufgrund der besseren Befahrbarkeit auch in Regenperioden termingerecht durchgeführt werden. Die Rebe wünscht einen lockeren, gut durchlüfteten und belebten Boden. Dies wird durch folgende Maßnahmen unterstützt:

  • Verdichtungen vermeiden (nicht unnötig und möglichst nicht bei Nässe befahren)
  • Bodengefüge schonen (keine übertriebene Bodenbearbeitung, keine feuchten Böden bearbeiten, wenig fräsen)
  • Boden ausreichend mit Humus und Kalk versorgen
  • Boden begrünen (Dauerbegrünung oder Gründüngung). Über das Winterhalbjahr sollte der Boden begrünt sein.

Quelle

B. Altmayer, B. Fader, M. Harms, R. Ipach, U. Ipach, H.-P. Lipps, K.-J. Schirra, B. Ziegler (2010): Sachkunde im Pflanzenschutz (Weinbau). 6. überarbeitete Auflage. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Phytomedizin. Neustadt an der Weinstraße.