Wasserschutzmaßnahmen beim Düngen

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Problemstoff vieler Wasserschutzgebiete in Agrarregionen ist das Nitrat (NO3-). Es ist das Abbauprodukt von organischen und mineralischen Stickstoffverbindungen im Bodenhumus, sowie in organischen und synthetischen Düngemitteln. Nitrat ist leicht wasserlöslich und wird in dieser Form hauptsächlich von den Pflanzenwurzeln aufgenommen. Durch seine negative Ladung kann Nitrat nur in geringem Umfang im Boden sorbiert werden und wird deshalb sehr leicht in tiefere Bodenhorizonte verlagert. Von den Pflanzen nicht aufgenommenes, überschüssiges Nitrat wird in mitteleuropäischen Weinbaugebieten hauptsächlich über das Winterhalbjahr ausgewaschen.

Zur Vermeidung größerer Nitrat-Austräge muss sich die Zufuhr von Stickstoff durch Düngung und biologische N-Fixierung (Symbiose von Leguminosen und Rhizobium-Bakterien) am Traubenentzug orientieren. Die Ausbringung rasch verfügbarer N-Dünger sollte nur zu Beginn der aktiven N-Aufnahme der Reben erfolgen (Austrieb bis Rebblüte). Nach der Ausbringung stickstoffreicher Humusdünger darf deren Mineralisation nicht unnötig durch übertriebene Bodenbearbeitung und Kalkdüngung angeregt werden.

Einzelmaßnahmen

Jährliche Stickstoffgabe: 20 bis 40 kg N/ha

Bei der derzeitigen Weinbaupraxis entziehen die Reben je nach Ertragshöhe jährlich 15 bis 30 kg Stickstoff/ha. Unter Berücksichtigung eines Ausnutzungsgrades des gedüngten Stickstoffes von 75 % benötigen die Reben eine Zufuhr von höchstens 20 bis 40 kg N/ha. Lediglich bei höheren Erträgen und schwachwüchsigen Anlagen sind Zuschläge sinnvoll. Stickstoffgaben, die deutlich über dem Entzug liegen, können hohe Nitratauswaschungen zur Folge haben. Außerdem fördern sie pilzliche Erkrankungen an der Rebe.

TABELLE 1: Ertragsabhängige Stickstoffaufnahme der Rebe und der Entzug durch die Trauben, sowie ihr Ausgleich durch Düngung.

Traubenertrag [t/ha] Weinertrag [hl/ha] Gesamt-N-Aufnahme durch Rebe [kg N/ha] N-Abfuhr durch Trauben [kg N/ha] N-Düngung [kg N/ha]
10 78 38 bis 59 18 bis 23 24 bis 31
15 117 57 bis 89 27 bis 35 36 bis 46
20 156 76 bis 118 36 bis 46 48 bis 61


Mit Humusdüngern maximal 100 bis 200 kg N/ha ausbringen

Die regelmäßige Versorgung des Bodens mit organischer Masse ist zwar wichtig, doch es ist zu prüfen, ob dazu nicht eine Gründüngung oder Begrünung ausreicht. Nur in Mangelsituationen oder bei stark humuszehrenden Böden sind größere Gaben erforderlich. Hierzu sollten nur Humusdünger mit geringen Stickstoffgehalten zum Einsatz kommen. Besonders geeignet sind dafür Komposte und u. a. Bioabfälle mit hohem Stroh-, Rinden- oder Holzanteil. Da in den ersten 3 Jahren 40 bis 50 % des organisch gebundenen Stickstoffes als Nitrat verfügbar wird, sollte in Wasserschutzgebieten mit einer Dreijahresgabe höchstens 100 bis 200 kg N/ha ausgebracht werden. Besser wäre es allerdings, diese Mengen in Jahresgaben zu splitten.

TABELLE 2: Geeignete Humusdünger und die Ausbringmengen in Wasserschutzgebieten.

Produkt Einheit Humus [kg/Einheit] N [kg/Einheit] P2O5 [kg/Einheit] K2O [kg/Einheit] MgO [kg/Einheit] Gabe für 3 Jahre [Einheit/ha]
Stroh t 800 4 2 12 2 5 bis 15
Baumrinde m3 200 1,2 0,4 0,8 0,4 25 bis 50
Traubentrester (frisch) m3 150 3,8 1,3 5 0,4 25 bis 50
Grünschnitt-Kompost t 250 6 2,5 5 3 18 bis 35
Perde-Festmist t 200 4,5 3 8 1 22 bis 45
Rinder-Festmist t 200 5,5 4 8 1 18 bis 35
Rindermist - Tiefstall t 200 6,5 3 10 1 15 bis 30
Schweine-Festmist t 200 9 7 7 2 10 bis 20


N-Dünger mit rasch verfügbarem Stickstoff zum Austrieb ausbringen

Einsatztermine für die Stickstoffdüngung von Reben

Den Hauptteil an benötigtem Stickstoff nehmen die Reben nach der Rebblüte bis zum Reifebeginn auf. Damit er zu dieser Zeit verfügbar ist, empfiehlt es sich, Stickstoff in normalen Mineraldüngern Ende April bis Anfang Mai zu streuen. Dünger mit Ammonium-Stabilisatoren und organische Düngemittel sind 2 bis 3 Wochen vorher auszubringen. Nach der Rebblüte sollten über den Boden keine Stickstoffdünger mehr ausgebracht werden. Meist wird dieser Stickstoff nicht zeitgerecht verwertet und über Winter ausgewaschen. Außerdem wird der Befall durch Traubenfäule verstärkt. Falls nach der Rebblüte Stickstoffmangel auftreten sollte, empfiehlt sich der wiederholte Einsatz von N-Blattdüngern.

Laut Düngeverordnung (DüV) gilt für alle Standorte das Ausbringverbot von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln mit wesentlichen Nährstoffgehalten an Stickstoff (> 1,5 % N i. TM) und Phosphat (> 0,5 % P2O5 i. TM), wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder durchgängig höher als 5 cm mit Schnee bedeckt ist.[1]

Stickstoff nicht in begrünte Gassen streuen

Ausbringung von Stickstoff in begrünten Weinbergen

Stickstoff, der auf begrünte Böden gelangt, wird in geringerem Umfang und erst zu spät verfügbar und über Winter dann oft ausgewaschen. Die früher häufig geübte Praxis in begrünten Weinbergen die Stickstoffdüngermenge über Jahre hinaus zu erhöhen, ist keine gute fachliche Praxis.

In teilflächenbegrünten Weinbergen sollte der Stickstoff in die offen gehaltenen Gassen gestreut werden.

Bei Anlagen mit Begrünungen in allen Gassen kann der Stickstoff in wässriger Lösung (AHL) unter die Begrünungsnarbe eingebracht werden (CULTAN-Verfahren).



Stickstofffrachten von Humusdüngern und Leguminosen berücksichtigen

Größere und wiederholte Humusgaben liefern noch jahrelang gewisse Mengen an verfügbarem Stickstoff.

Auch die Einsaaten von Leguminosen wie Klee, Wicken, Erbsen, Bohnen und Lupinen können beträchtliche N-Frachten in den Weinberg bringen. Beides ist zu quantifizieren und durch eine geeignete Dokumentation zu erfassen (siehe TABELLE 3).

TABELLE 3: Stickstofffixierung durch Leguminosen in Weinbergsbegrünungen

Deckungsgrad der Leguminosen [%] Flächenanteil an begrünten Boden
40 % 80 % 100 %
jede 2. Gasse jede Gasse ganzflächig
25 % 8 kg N/ha 16 kg N/ha 20 kg N/ha
50 % 16 kg N/ha 32 kg N/ha 40 kg N/ha
75 % 24 kg N/ha 48 kg N/ha 60 kg N/ha
100 % 32 kg N/ha 64 kg N/ha 80 kg N/ha


Stickstoffstatus durch Blattstiel-Nitrat-Schnelltest erfassen

Durch ein Abschätzen des aktuellen Versorgungsstatus kann die N-Düngung optimiert werden. Dazu kann die visuelle Begutachtung von Laubverfärbung, Wüchsigkeit und Holzstärke gewisse Hinweise liefern. Pflanzenanalysen oder das Erfassen des Chlorophyllgehaltes der Blätter bringen Werte, die besser nachvollziehbar sind. Einen verhältnismäßig geringen Aufwand bereitet die Bestimmung der Nitratkonzentration im Presssaft von Blattstielen (siehe TABELLE 4). Die Untersuchung erfolgt zur Zeit der Rebblüte.

TABELLE 4: Weinbauliche Maßnahmen nach Blattstiel-Nitrat-Schnelltest.

Nitratkonzentration

[mg NO3/l]

N-Düngung
0 bis 150 N-Zufuhr sinnvoll
  • bis zur Rebblüte: 40 kg N/ha über den Boden
  • nach der Rebblüte: 2 bis 5 kg N/ha über Blattdüngung
150 bis 250 ausreichende N-Versorgung ==> keine weitere N-Zufuhr
> 250 N-Überschuss ==> N-Mineralisation im Boden bremsen, durch extensivere Bodenbearbeitung oder Begrünung


DURCHFÜHRUNG

ERWERB der Teststreifen

Typ MERCKOQUANT:

  • Nitrat-Test Art. 110020 mit 100 oder 25 Analysenstäbchen, zum Nachweis und zur halb-quantitativen Bestimmung von Nitrat-Ionen; Methode: visueller Farbvergleich; erhältlich bei Labor- und Kellereibedarfshandel oder Fa PRONOVA (Produktionsbereich Stelzner), Bahnhofstraße 30 , 07639 Bad Klosterlausnitz, Tel. 03 66 01/93 49 06, Fax . 03 66 01/93 49 07, E-Mail: info@stelzner.de.

Typ REFLECTOQUANT:

  • Reflectoquant Nitrat-Test Art. 1.16971 mit 50 Analysenstäbchen; Messbereich 5 bis 225 mg/l; Methode: reflektometrisch (spezielles Messgerät erforderlich); Bezug siehe Merckoquant.


Moderate, der Bodenart angepasste Humusgehalte anstreben

Je nach Humusgehalt finden sich in Weinbergsböden 3 000 bis 10 000 kg N/ha in organischer Bindungsform. Davon können jährlich 0,5 bis 3 % mineralisiert werden. Diese Mineralisationsrate wird in wesentlichem Umfang durch Bodenart und Steingehalt beeinflusst. Böden mit hohem Sand- oder Steingehalt zeigen ein deutlich höheres Mineralisationspotential als ton- und schluffreiche sowie steinarme Böden. In Wasserschutzgebieten werden darum in den leichteren, gut durchlüfteten Sandböden Humusgehalte zwischen 1,5 bis 1,9 %, in schweren, tonreichen Böden dagegen 2,0 bis 2,9 % angestrebt.

TABELLE 5: Angestrebte Humusgehalte im Oberboden von Weinbergen.

  • organische Substanz = o. S.
Bodenart angestrebter Humusgehalt
leichte Böden (Sandböden) 1,5 bis 1,9 % o. S.
mittelschwere Böden (Lehm- und Schluffböden) 1,8 bis 2,4 % o. S.
schwere Böden (Ton- und Mergelböden) 2,0 bis 2,9 % o. S.


Schlagkartei hilft die Nährstoffversorgung zu optimieren

Regelmäßige Aufzeichnungen zu Düngung und wichtigen Bodenpflegemaßnahmen helfen besonders in größeren Betrieben die Versorgungslage der Weinberge besser zu überblicken. Besonders nach der Ausbringung von Humusdüngern, der Einsaat von Leguminosen und nach dem Umbruch langjähriger Begrünungen kann die Verfügbarkeit von Stickstoff und teilweise Phosphat besser abgeschätzt werden.

Optimal ist hierzu eine Schlagkartei, die alle Parzellen des Betriebes umfasst. In Verbindung mit den Ernteaufzeichnungen der [Weinbuchführung|Kellerbuchführung] kann verhältnismäßig einfach eine Nährstoffbilanz einzelner Parzellen erstellt werden. Diese wird teilweise in den Bewirtschaftungsauflagen von Wasserschutzgebieten vorgegeben.

Das Führen einer Schlagkartei geht zwar über die Durchführung des jährlich vorgeschriebenen Nährstoffvergleichs hinaus, bringt aber dafür auch mehr Informationen für den Winzer.

Einträge von Düngern in Oberflächengewässser vermeiden

Beim Ausbringen von Düngern dürfen keine Einträge in die Kanalisation, in Vorfluter oder andere Gewässer erfolgen.

Hierzu sind folgende Vorgaben zu beachten:

  • Keine Kontamination versiegelter Flächen, die über das öffentliche Abwassersystem oder Oberflächengewässer entwässert werden.
  • Kein Reinigen von Düngerstreuern auf befestigten Flächen mit Anschluss an das öffentliche Abwassersystem oder an Oberflächengewässer.
  • Um Erosion zu vermeiden, sollten die Weinbergsböden in gefährdeten Hanglagen möglichst durch Abdeckungen oder Begrünungen geschützt werden. Wo dies nicht möglich ist, muss jede Bildung von Rinnen in Hangrichtung vermieden bzw. möglichst bald behoben werden.


Einzelnachweise

  1. Düngeverordnung - DüV (10.01.2006), § 3 Grundsätze für die Anwendung, Absatz (5).

Literaturverzeichnis

  • Ziegler, B. (2013): Wasserschutzmaßnahmen beim Düngen. Rhodt unter Rietburg (ehemaliger Spezialberater für Bodenpflege und Düngung der Abteilung Weinbau & Oenologie (Gruppe Weinbau), Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße).