Ausbrechen

Aus Vitipendium
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Triebe unterhalb bzw. innerhalb des Bogens werden bei engen Internodien (= Augenabständen) vorrangig ausgebrochen.

Die Terminarbeit Ausbrechen beinhaltet das Wegbrechen grüner Triebe nach dem Austrieb und vor dem Verholzen. Es wird auch als Triebkorrektur oder "Schabigen" (Südtirol) bezeichnet. Das Ausbrechen überflüssiger Wasserschosse am Kopfbereich und zu dicht stehender Triebe an der Bogrebe ist mit einem Arbeitszeitbedarf von etwa 10 bis 20 Stunden pro Hektar die effektivste Methode um:

  • Für eine gute Durchlüftung und Abtrocknung der Laubwand zu sorgen und damit Pilzkrankheiten anbautechnisch vorzubeugen.
  • Zur Bildung ausreichend wüchsigen und gut belichteten Langtrieben mit optimalem Blatt-Frucht-Verhältnis, das eine hohe Zuckereinlagerung in die Trauben gewährleistet.
  • Zur Erzeugung von Topqualität nicht mehr 10 bis 12 Triebe pro Meter Zeilenlänge anstreben!

Frühzeitig Kümmertriebe entfernen

Kümmertriebe zeigen schon beim Austrieb einen gehemmten Wuchs und bleiben auch in ihrer weiteren Entwicklung zurück. Sie lassen sich schon im 5-Blatt-Stadium recht gut von Normaltrieben unterscheiden, denn sie haben lediglich ein bis zwei gut ausgebildete basale Blätter, tragen in der Regel mehrere Gescheine und zeigen schon sehr früh eine verkümmernde Triebspitze.

Doppeltriebe

Doppeltrieb bei einer Burgundersorte

Burgundersorten neigen besonders dazu, dass aus einer Winterknospe 2 oder gar 3 vollwertige Triebanlagen austreiben. In der Regel streben sie in einem mehr oder weniger großen Winkel auseinander und führen deshalb nicht zwangsläufig zu Verdichtungen. Daher ist es nicht notwendig, jeden Doppeltrieb zu vereinzeln. Vielmehr ist es sinnvoller, ganz gezielt die Triebe zu entfernen, die bei der späteren Heftarbeit Probleme bereiten können, also Triebe, die zur Gasse hin, nach unten oder in die Bogrebe hinein wachsen, und besonders Triebe an übergerteten Bogrebenbereichen, wo Verdichtungen von vorn herein vorprogrammiert sind.

Auf die Formerhaltung des Stockes achten

Ein weiteres Ziel ist die Gewinnung von gut positionierten Anschnittruten für das Folgejahr. Wasserschosse werden erhalten, sofern sie zum Stammaufbau notwendig sind. Im oberen Stammbereich sollte aber soweit ausgebrochen werden, dass nicht zu viele Triebe mit der Folge von Verdichtungen stehen bleiben. Insbesondere der Ersatzzapfen wird aus Gewohnheit häufig zu lang angeschnitten. So entwickeln sich statt angestrebten ein bis höchstens zwei, oftmals drei und mehr Triebe. Um die „wertvollen“, zur Formerhaltung des Stockes dienenden, Stamm nahen Triebe zu fördern, sollten vorrangig die äußeren Triebe am Ersatzzapfen entfernt werden.

Wann ist der optimale Ausbrechtermin

Um die Wunden klein zu halten und den Reservestoffhaushalt der Rebe zu schonen, sollte das Ausbrechen möglichst frühzeitig erfolgen. Optimal ist der Zeitraum 2 bis 4 Wochen nach dem Austrieb, die Triebe sind dann noch sehr weich und gut überschaubar, der Arbeitszeitaufwand ist somit am geringsten. Bei einem späteren Termin leidet die Übersicht, es entstehen größere Wunden, was sich vor allem in Junganlagen am Stammbereich nachteilig auswirken kann, außerdem wird der Reservestoffhaushalt stärker strapaziert. Hingegen erfordert ein zu früher Termin oftmals Nacharbeit, da noch Beiaugen austreiben können. Da nach dem Ausbrechen noch immer ein Triebverlust durch Windbruch oder Spätfrost befürchtet werden muss, sollte an windoffenen Standorten und klassischen Maifrostlagen „moderater“ vorgegangen werden. Falls Heftdrahtausleger als „Windstütze“ vorhanden sind, ist die Problematik des Windbruchs etwas entschärft. Bei sehr wüchsigen Anlagen und Sorten (Portugieser, Dornfelder, Trollinger, Lemberger) hat eine stärkere Triebreduzierung ein verstärktes Dickenwachstum der verbleibenden Triebe zur Folge. Dies kann zu übergroßen und kompakten Trauben (Fäulnis) führen und im Folgejahr eine höhere Bruchgefahr beim Biegen der dickeren Ruten darstellen. Je engknotiger und schwachwüchsiger eine Rebanlage ist, um so frühzeitiger und stärker sollte ausgebrochen werden, dies gilt insbesondere für überlastete (chlorotische) Junganlagen sowie regelmäßig trockengestresste Anlagen, deren Triebwachstum dadurch gefördert und stabilisiert werden kann.

Einzelnachweise


Literatur

  • Götz, G. (2013): Ausbrechen am Kopfbereich und an der Bogrebe. Abteilung Weinbau & Oenologie (Gruppe Weinbau), Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße.