Artenvielfalt in der Weinbergsbegrünung

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Die Weinbergs-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum) zählt mittlerweile zu den seltenen Weinbergbegleitpflanzen.

Eine artenreiche Weinbergsbegrünung stabilisiert das ökologische Gleichgewicht im Weinberg und fördert insgesamt die floristische und faunistische Vielfalt in der Weinbau-Kulturlandschaft. Von solchen Beständen erwartet man, dass während der Vegetationszeit „immer etwas am blühen“ ist. Damit sind solche Weinberge ein regelrechtes Attraktionszentrum für die geflügelte Fauna in der Gemarkung.

Soll die Begrünung erfolgreich sein, ist eine ganzheitliche Betrachtung von der Bodenpflege bis zu allen übrigen Weinbergsarbeiten erforderlich. So gilt zu beachten, dass artenreiche, d.h. kräuterreiche Begrünungsbestände nicht so fahrfest wie Grasbegrünungen sind. Außerdem dürfen in solchen Beständen nur bienenungefährliche Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Durchführung

Der Einstieg in eine artenreiche Begrünung beginnt meist mit der Einsaat eines Saatgutgemenges. Überall dort, wo im Boden noch genügend Samenvorrat einer vielfältigen Wildflora vorhanden ist, kann der Boden auch natürlich begrünt werden, d.h. man überlässt der Natur die Pflanzenauswahl.

Trotz der Forderung nach kräuterreichen Pflanzenbeständen darf nicht vergessen werden, dass die Befahrbarkeit der Weinberge ein Mindestanteil an Gräsern erfordert. Eventuell können diese gezielt in den Bereich der Schlepperspur gesät werden.

Auf alle Fälle dürfen neu begründete Begrünungen nicht zu häufig befahren werden. Außerdem gilt zu beachten, dass stickstoffreiche Böden keine allzu üppige Artenvielfalt zulassen. Damit verbieten sich in solchen Weinbergen N-Gaben über 30 bis 40 kg N/ha.


Empfehlungen zum Aussaatgemenge

NEGATIVBEISPIEL: Artenarme Dauerbergrünung, in der Löwenzahn (Taraxacum officinale) durch die Bodenverdichtungen dominiert.
Die kräftigen Pfahlwurzeln des Löwenzahns durchdringen problemlos verdichteten Boden.
  • Pflanzenarten aus mindestens 3 verschiedenen Pflanzenfamilien auswählen
  • keine Gräserdominanz produzieren (Gräseranteil < 25 %),
  • Tiefwurzler einbringen (Anteil > 10 %),
  • Saatstärke um 1/3 reduzieren, um Freiraum für Wildflora zu belassen




Empfehlungen zur Pflege artenreicher Begrünungsbestände

  • Pflanzen möglichst zum Blühen kommen lassen; Wuchshöhe der Pflanzenbestände mindestens 30 bis 50 cm,
  • junge Begrünungen und blühende Bestände durch schonendes Walzen (Rauhwalze) niederhalten,
  • Rückschnitt der Begrünungen frühestens im 2. Begrünungsjahr,
  • Schnitthöhe über 12 bis 15 cm,
  • Schnittgut nicht zu fein zerkleinern, grobe und gleichmäßige Ablage, keine größeren Schnittgutschwaden ablegen,
  • alternierender Schnitt, d.h. nur jede 2. Gasse zu einem Termin schneiden,
  • Einsatz von Mulchgeräten nicht während der Hauptflugzeit von Bienen; nützlingsfreundliche Schnitttechnik verwenden,
  • gelegentliches Verwunden des Bodens fördert annuelle Samenpflanzen,
  • keine N-haltigen Dünger in artenreich begrünte Gassen ausbringen,
  • unnötige Befahrungen vermeiden (Verdichtungen, Ruhe für Fauna),
  • bei Überhandnehmen von Gräsern, den Bewuchs umbrechen und neu ansäen,
  • für die Erprobungsphase empfiehlt es sich einzelne über den Weinberg verteilte Gassen mit Blütenmischungen anzusäen und entsprechend zu pflegen


Einzelnachweise


Literaturverzeichnis

  • Ziegler, B. (2012): Bodenpflege im Weinbau. Abteilung Weinbau & Oenologie (Gruppe Weinbau), Broschürenreihe des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinpfalz, WEINBAU-INFORMATIONEN / Ausgewählte Themen für die Praxis, Neustadt an der Weinstraße: 72 Seiten.
  • Schumann, F. (1998): Weinbaulexikon. Meininger Verlag GmbH, Neustadt an der Weinstraße: 294 Seiten, ISBN 3-87524-131-2.
  • Rothmaler, W. (1999): Exkursionsflora von Deutschland, Band 2, Gefäßpflanzen: Grundband. 17., bearbeitete Auflage, Spektrum Akademischer Verlag GmbH Heidelberg, Berlin: 640 Seiten. ISBN 3-8274-0912-8.
  • Rothmaler, W. (2000): Exkursionsflora von Deutschland, Band 3, Gefäßpflanzen: Atlasband. 10., durchgesehene Auflage, Spektrum Akademischer Verlag GmbH Heidelberg, Berlin: 753 Seiten. ISBN 3-8274-0926-8.